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LILLY AMONG CLOUDS
 
Lebe lieber dramatisch
Lilly Among Clouds
Eigentlich dürfte es eine Künstlerin wie Lilly ja gar nicht geben: Eine junge Dame aus Würzburg, die sich erdreistet, sich mit organischen, englischsprachigen Pop-Songs der unüberschaubaren internationalen Konkurrenz zu stellen und damit nicht nur Erfolg hat, sondern es obendrein schafft, eine eigene Identität als Künstlerin zu entwickeln. Ganz so weit hergeholt wie das scheint ist diese Geschichte dann aber doch nicht, denn immerhin hat Lilly mütterlicherseits amerikanisches Blut in den Adern und spontan, plötzlich oder überraschend kommt die Sache schon gar nicht daher, denn bevor Lilly mit ihrem Debüt-Album "Aerial Perspective" reüssierte, hatte sie schon einiges an Erfahrungen als Performing Artist hinter sich und auch das nun vorliegende, zweite Album "Green Flash" ist keineswegs übereilt entstanden.
"Das liegt wohl auch daran, dass ich nie so richtig wusste ob ich überhaupt eine Künstlerin sein will, bevor ich das erste Album aufgenommen habe", räumt Lilly dann auch gleich ein, "ich habe das dann gebraucht - dieses offizielle Vorstellen -, um mich darin zu bestärken, dass ich in die Richtung gehen sollte. Dann hat man ja die ersten Tour-Erfahrungen und lernt dabei unglaublich viel. Schon alleine eine Tour zu haben ist mega-spannend - und speziell die Verantwortung zu haben, dass die Leute Eintritt zahlen, nur um dein Konzert zu sehen; denn ich will die Leute ja nicht enttäuschen. Das hätte ich mir vorher gar nicht so vorgestellt, dass das dann die größte Anspannung vor einem Konzert ist." Das ist dann allerdings etwas, das sich Lilly auf der Bühne gar nicht anmerken lässt - vielleicht mal davon abgesehen, dass sie unnötig oft mit geschlossenen Augen singt. Ist Lilly also gar nicht durch ihre Live-Auftritte auf den Geschmack gekommen? "Doch", meint Lilly, "noch bevor ich etwas veröffentlicht hatte, habe ich mal in Baden-Württemberg einen Wettbewerb gewonnen und da war der erste Platz, in Finnland zu spielen. Das fand in einer Eishockey-Halle mit 10.000 Leuten statt. Da wurde dann weiter nichts draus, aber es hatte mir überraschenderweise unglaublich Spaß gemacht auf einer so großen Bühne zu spielen und da habe ich mir zum ersten Mal die Frag gestellt, ob ich das nicht vielleicht doch weiter machen sollte." Eine der Sachen, die Lilly seit der Veröffentlichung der ersten Scheibe passiert sind, ist ihre Teilnahme am Vorentscheid des Eurovision Song Contests mit ihrem Song "Surprise". Wie kam es denn dazu? "Ich habe eine eMail bekommen, ob ich da nicht mitmachen wolle", erinnert sich Lilly, "ich war dann die einzige, die nicht gleich zugesagt hatte und habe ein wenig gezögert. Ich war damals gerade auf Tour und alle in der Band haben dann gesagt, dass es doch cool wäre, da mitzumachen. Es hat mich dann überrascht, dass das alle nicht komisch fanden oder dagegen waren. Ich habe dann gesagt, dass ich nichts unterschreiben würde, was ich nicht möchte und dass ich mein eigenes Lied spielen wollte - das war dann aber alles auch möglich. Dann habe ich dann auch mal gemacht und das war auch eine interessante Erfahrung - es ist aber nicht so, dass wir da jetzt beste Freunde geworden sind der ESC und ich. Peinlich ist mir das jedenfalls nicht."
Lilly Among Clouds
In ihren Texten singt Lilly des Öfteren nicht aus der Ich-Perspektive, sondern aus der zweiten Person. Ist das Absicht? "Ja, genau", bestätigt sie, "das ist auch das, was ich zum Beispiel meine, wenn ich sage, dass mich die Psychologie interessiert. Ich finde es spannend zu beobachten, wie Menschen miteinander umgehen. In meinen Songs geht es sehr oft um Geschichten und Erzählungen von Personen von Freunden und Bekannten aus meinem Umkreis. Die wissen das nur alle nicht. Das ist aber auch nicht notwendig, weil sich ja alle irgendwie darin finden." Das bedeutet, dass Lilly nicht ausschließlich über sich selbst singt, richtig? "Genau", pflichtet sie bei, "ich bin in meinen Liedern ganz oft der Beobachter - das hast du vollkommen richtig erkannt. Es ist ja auch ziemlich spannend sich zu überlegen, warum sich die Leute verhalten, wie sie es tun." Wozu soll das denn gut sein? "Man hat dann sein ganz eigenes Rätsel im Kopf und ganz oft kann man Menschen auf diese Weise dann auch vorhersehen", ergänzt Lilly, "indem man sich überlegt, welche Gründe zu was geführt haben." Ist Psychologie ein Hobby - oder mehr? "Ich habe eigentlich Politik studiert", antwortet Lilly, "aber ich glaube, da kam das ein wenig her." Was ist denn ein "Green Flash"? "Ein 'Green Flash' ist ein Naturereignis von Millisekunden, das man am Himmel beobachten kann - weswegen man als Mensch unbedingt innehalten muss, um das erleben zu können, was die Natur her gibt, wenn man nur geduldig genug ist." Anders ausgedrückt: Lilly bleibt sich mit der Titelgebung hier in Bezug auf ihre Himmels-Affinität also durchaus treu.

Kommen wir mal zur Musik: Wer zeichnet für die Arrangements verantwortlich bzw. wer bestimmt hier die Marschrichtung. "Udo Rinklin und ich basteln eigentlich zu zweit im Studio. Ich mache dann abends die Texte fertig und überlege mir auch schon mal die Backing Vocals. Dann machen wir weiter und holen erst danach die Musiker dazu, um das einzuspielen. Man hört dann zwar ganz arg, wenn die ihren persönlichen Senf dazu geben - aber meistens haben wir schon alles vorgearbeitet." Der Hintergrund der Frage ist eigentlich der, dass die Stücke öfter auch mit weniger Produktionsvolumen auskämen. "Na ja, wenn ich eine Akustik-Tour mache, dann breche ich die Arrangements ja auch wieder sehr runter", erläutert Lilly, "ich habe dann ja auch immer die Möglichkeit, die Songs roh rauszuholen. Aber im Gegensatz zum Album vorher waren dieses Mal ein paar Stücke dabei, die ich gar nicht am Klavier geschrieben habe - sondern mit der Gitarre oder dem Bass. Ich weiß aber genau, was du meinst mit den Arrangements. Das ist eine spannende Sache, weil ich innerlich immer fühle, dass ich gerne dramatisch arbeite und viel Gefühl einbringen will - mir aber dann manchmal nicht zutraue, dass meine Stimme genug dafür bietet und deswegen dann mit den Arrangements arbeite. Ich muss da also noch ein Gefühl für die Balance finden. Aber auf der anderen Seite kann dann ich doch wieder das volle Drama hören und das finde ich dann auch wieder gut." Das Stück, welches musikalisch insofern herausragt, als das es ein perfekt ausformulierter, klassischer Pop-Song ist, ist der Track "A Girl Like Me". "Bei dem Lied bin ich mal gespannt, wie es ankommt, denn ich könnte mir vorstellen, dass im Indie-Bereich viele mit dem Spinett ein wenig Probleme haben", meint Lilly, "aber ich bin im Herzen ja nun mal ein absoluter Popmusik-Fan. Ich mag Indie, weil es hier mehr Details und Klangfarben gibt - und nicht nur eine nette Melodie. Wenn ich aber ans Songwriting denke, dann liebe ich das Strophe/Refrain-Format, weil ich mich da total wohl fühle. Deswegen habe ich mich über 'A Girl Like Me' auch so gefreut und nichts dagegen, noch mehr in dieser Richtung zu machen." Gab es konkrete musikalische Inspirationsquellen für die Songs des neuen Albums? "Also zu dem Album gab es jetzt keine Künstler, die ich wirklich viel gehört habe", räumt Lilly ein,"wir haben dann pro Song geschaut, welche Richtung da richtig wäre. Ich habe nämlich gemerkt, dass ich selber eher Band-Musik höre, die ich so ja auch gar nicht nachmachen kann." Geht es Lilly dann also darum, etwas besonders Eigenständiges auf die Beine zu stellen? "Ich kann es gar nicht anders machen als wie ich es mache", führt Lilly aus, "ich habe ja nie Gesangsunterricht gehabt und muss so singen, wie ich es tue. Deswegen würde ich vielleicht sogar sagen, dass ich noch eine Weile Musik machen muss, um bewusst etwas wirklich Eigenständiges anstreben zu können. Ich verstehe schon, dass das für manche nicht besonders attraktiv ist. Da kommen zum Beispiel dann viele Verbesserungsvorschläge, die dich halt beliebiger machen würden. Ich hatte noch nie ein Problem damit, weil ich im covern zum Beispiel richtig schlecht bin. Ich muss ja auch nicht allen gefallen. Das ist ja auch das geile an der Kunst, dass wir Geschmäcker schaffen können. Wenn manche mich nicht mögen, aber andere schon, dann ist das doch das Beste." Das ist jedenfalls besser als Indifferenz. "Genau - es macht mir jedenfalls keine Sorgen, wenn mich jemand nicht mag; so lange er nur die Musik, die ich mache, ernst nimmt."

Was ist dann denn die größte Herausforderung als Songwriterin? "Ich mache mir als Stücke-Schreiberin weniger Gedanken denn als Interpretin meiner eigenen Stücke", verrät Lilly, "weil ich die Lieder immer schreiben will, egal, ob ich ein Ziel habe oder nicht. Das ist meine eigene klassische Selbsttherapie. Da gibt es also kein Konkurrenzgefühl oder Ängste. Ich habe dann eher Ängste, was Live-Performances betrifft. Wenn ich die Fähigkeit, Lieder zu schreiben verlieren sollte - wodurch auch immer -, dann fände ich das viel schlimmer als wenn das, was ich mache niemand mehr kaufen wollte." Das heißt: Komponieren als Selbstzweck? "Na ja, wenn ich absolut glücklich bin, dass ich da eine Melodie gefunden habe, die mich eine ganze Woche fasziniert, dann ist das doch eine schöne Art von Magie, die ich voll vermissen würde." Als kreativer Mensch hat man da ja auch mehr Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen, oder? "Ja, obwohl es da auch eine Art von Zugzwang gibt", schränkt Lilly ein, "ich merke schon, dass ich weniger verdiene, wenn ich eine Zeit lang spiele. An die Abhängigkeit von der finanziellen Seite muss man sich schon gewöhnen. Das habe ich in den letzten Jahren auch kennengelernt."

Wie geht es weiter? Wann geht es in die USA? "Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht", lacht Lilly, "ich war jetzt neulich mal in Australien, um zu schauen, wie es da ist. Was natürlich ganz gut ist, in einem englischsprachigen Land zu spielen, weil man da gleich verstanden wird. Aber ich war auch jetzt neulich auf einem Festival in Tschechien. Es gibt so viele interessante, kunterbunte Festivals in Osteuropa, so dass ich eigentlich mehr Lust habe, erst mal Europa zu erobern als die USA."
Weitere Infos:
www.lillyamongclouds.com
www.facebook.com/lillyamongclouds
www.instagram.com/lillyamongclouds
www.youtube.com/channel/UCAoZLmSu2hcIVcroFn5n-Zg
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Lilly Among Clouds
Aktueller Tonträger:
Green Flash
(Pias/Rough Trade)




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