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FAYE WEBSTER
 
Nutella für Millionäre
Faye Webster
Obwohl Faye Webster gerade mal 21 Lenze zählt, ist sie doch schon ganz gut im Geschäft. Die Songwriterin aus Atlanta veröffentlicht mit "Atlanta Millionaires Club" nun bereits ihr drittes Album als Solo-Songwriterin - war aber zuvor schon in der recht aktiven HipHop-Szene Atlantas als Mitglied für das renommierte AWAL-Label tätig und arbeitet nebenher auch als Fotografin. Nur eine Millionärin ist sie nicht: Der Titel des Album basiert auf dem Namen, den sich ihr Vater und dessen Freunde für ein Jux-Projekt gegeben hatten, das bis heute besteht und das Faye schlicht "cool" findet.
Fayes Musik - ein eigentümlicher Mix aus Southern Swing, Soul, R'n'B, Folk und Country-Elementen, die sie in ihrer Jugend aufgeschnappt hat - hat mit der Rap-Musik, mit der sie sich zunächst beschäftigte, kaum noch etwas zu tun - obwohl sie immer noch alte Kumpels aus der Szene für Gast-Beiträge einlädt, wie z.B. Father, mit dem zusammen sie auf der neuen Scheibe das Duett "Flowers" singt. Oder ist das vielleicht ein Gespräch im Stile eines Frage und Antwort-Spiels? "Das ist eine Möglichkeit das zu sehen", räumt Faye ein, "wichtig ist, dass ich mein Ding mache und er sein Ding macht. Father ist ein Freund aus AWAL-Zeiten, mit dem ich früher auch schon zusammengearbeitet habe. Wir kennen uns sehr gut." Das Cover-Motiv des neuen Albums zeigt Faye, die sich da etwas in den Mund schiebt. Was denn bloß? "Das ist Nutella", erklärt Faye, "ich habe als Kind immer diese kleinen Schoko-Münzen gegessen. Ich wollte, dass auf dem Cover nicht einfach nur ein nettes Bild zu sehen ist, sondern es sollte auch zu dem Titel passen. Und es sollte auch nach Kunst aussehen. Das soll nicht heißen, dass es typisch für mich ist, mir den Mund mit Schokolade vollzustopfen. Ich habe das natürlich der Kunst wegen total übersteigert."

Worauf achtet die Songwriterin Faye Webster? Ein bestimmter Stil scheint es ja schon mal nicht zu sein. "Ich schreibe die Dinge auf, die mir gerade durch den Kopf gehen und arbeite dann damit", beschreibt sie den Prozess, "es muss aber alles stark, rau und imperfekt bleiben - und ein wenig seltsam. Ich möchte Songs möglichst unberührt lassen, ganz so, wie sie geschrieben wurden - wenn das Sinn macht." Okay - aber was ist denn mit der Musik? "Ich weiß nicht", meint Faye (und das meint sie verdammt oft), "denn das ist nicht das, was ich an die erste Stelle setze. Ich lasse einfach das geschehen, von dem ich fühle, dass der Song danach verlangt." Und was ist mit den Texten? Sie selbst referenziert ihre Texte ja als Poesie - zum Beispiel in dem Song "Jonny" und dessen Reprise. "Ich weiß nicht - das ist etwas anderes, neues für mich", räumt sie ein, "sowas habe ich zuvor noch nie gemacht. Normalerweise schreibe ich einfach meine Gedanken auf ein Stück Papier und bleibe dann bei dem, was mir als allererstes einfällt. Das ist es ja, was ich mein, wenn ich sage, dass meine Songs möglichst unberührt bleiben sollen." Sie dürfen also nicht zuviel bearbeitet werden? "Genau", bestätigt Faye, "es ist mir wichtig, dass sie nicht perfekt sind." Gehört dazu, dass Faye auch über kleine, scheinbar banale Details singt? "Ja, denn ich mag es über Dinge zu singen, von denen die meisten Leute denken würden, dass sie nicht in einen Song gehören", überlegt Faye, "ich weiß gar nicht, wie ich das genau in Worte fassen soll, aber ich spreche einfach aus, was mir gerade durch den Kopf geht - wenn das jetzt überhaupt Sinn macht." Und welcher Art sind diese Gedanken? "Das ist jedes Mal etwas anderes", meint sie, "ich habe keine Idee, woher diese Gedanken kommen. Ich spreche sie einfach aus. Es ist meine Art, mit bestimmten Gegebenheiten umzugehen und diese zu verarbeiten. Es ist auch sicherlich der Hauptgrund, warum ich überhaupt den Drang verspüre, Songs zu schreiben. Das ist definitiv meine Art von Therapie."

Faye Webster
Worauf konzentriert sich Faye dann musikalisch? "Och, ich mag es eigentlich gar nicht, allzuviele Regieanweisungen zu geben", zögert Faye, "ich schreibe die Songs alle selber und bringe sie dann zu meinen Musikern ins Studio. Ich lasse die Musiker den Song dann spielen, wie sie ihn individuell fühlen. Wichtig ist, dass wir die Songs live im Studio einspielen. Ich lasse sie also machen - weiß dann aber schon, wenn mir etwas nicht gefällt und dann fangen wir einfach neu bei null an. So, wie wir auf der Scheibe dann klingen, klingen wir dann natürlich auch live." So besonders viel verrät Faye ja im Gespräch nicht direkt über sich - ganz im Unterschied zu den Lyrics der neuen Songs, in denen sie ja durchaus persönliche Themen ziemlich unverblümt anspricht - bis hin zu dem Umstand, dass sie Namen nennt - wie z.B. im Falle des Trennungsdramas "Jonny". "Ja, das ist aber auch für mich eine große Herausforderung - die Dinge möglichst direkt anzusprechen", erläutert sie, "denn das ist ganz schön hart für die betroffenen Leute. Das ist ja auch der Grund, warum ich Namen wie 'Jonny' unverändert anspreche." Andere Songs - wie z.B. "Room Temperature" - scheinen reine Zustandsbeschreibungen zu sein. "Das ist auch so", bestätigt Faye, "ich spreche hier davon, mich in meinem Haus aufzuhalten, wenn ich nicht auf Tour bin - was ich eigentlich auch bevorzuge. Dann fällt mir andererseits aber auch immer wieder schnell die Decke auf den Kopf und dann sage ich mir, dass ich halt mehr rausgehen müsste." Deswegen wiederholt sie dann auch endlos das Mantra "I Should Get Out More?" "Ja, ganz genau. Es ist vielleicht auch meine Aufforderung an mich selbst, auf mich achtzugeben. Denn schließlich schreibe ich ja ausschließlich über mich selbst."

Dann gibt es ja noch Fayes Arbeit auf dem visuellen Sektor. Gibt es da denn eine Verbindung zu ihrer Musik? "Ich weiß nicht", meint sie ausweichend, "ich verwende definitiv genausoviel Zeit auf einen Song, wie auf eine Fotografie - wüsste aber nicht, wie ich Musik und Fotos vergleichen sollte. Die Verbindung, die ich hier sehe, ist, dass beides besonders detailliert ausgearbeitet wird. Ich führe auch bei meinen Videos Regie - aber ich brauche hier schon professionelle Hilfe, weil ich ja keine Filmemacherin bin. Auf diese Weise versuche ich mir Dinge auszudenken, die Sinn machen, mit dem Song zu tun haben und irgendwie dazu passen." Ein besonderes Kennzeichen ist auch Faye Websters Gesang - und zwar indem sich Faye beinahe flüsternd ins Unterbewusstsein mogelt - besonders wenn man die Musik mit Kopfhörern hört. Das führt zu einer Art traumähnlicher Grundstimmung. Ist das beabsichtigt? "Mir ist es wichtig, dass der Gesang unangestrengt klingt und ich mich ganz darauf einlasse, was passiert, wenn ich singe", führt Faye aus, "für mich fühlt sich das auch fast an, als würde ich sprechen. Was ich mag, ist es, meine Stimme im Soundmix ganz nach vorne zu mischen, denn ich denke, das ist das Wichtigste. Man soll schon verstehen können, was ich singe. Aber die Texte kommen auch ins Booklet der Platte." Was sicherlich keine schlechte Idee ist, denn zum einen gibt das ja den über den Download hinausgehenden Anreiz, sich die Scheibe zu kaufen - und zum anderen erfährt man so vielleicht mehr über Faye Webster, als wenn man sie direkt danach fragt, sich selbst zu erklären.

Gibt es dann wenigstens eine Idee, wie es in der Zukunft mit Faye Webster weitergehen könnte? "Nicht wirklich", zögert Faye, "eine bestimmte Vision habe ich jedenfalls nicht. Alle meine Alben haben etwas, das Sinn macht und was sie verbindet - und das ist der Sound. Ich bin nicht wirklich über den Stil besorgt und versuche auch nicht, in eine bestimmte Richtung zu gehen."
Weitere Infos:
www.fayewebster.com
www.facebook.com/websterfaye
www.instagram.com/fayewebster
www.youtube.com/watch?v=-5_tGEao_GQ
www.youtube.com/watch?v=qq_Jm_QC4go
www.youtube.com/watch?v=hVL-3SW28v0
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Faye Webster
Aktueller Tonträger:
Atlanta Millionaires Club
(Secretly Canadian/Cargo)




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