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MEIKO
 
Gelebte Träume
Meiko
"In Your Dreams" heißt das neue Album von Meiko, doch für die sympathische 37-jährige US-Singer/Songwriterin sind viele ihrer Wünsche bereits in Erfüllung gegangen. In den zwölf Jahren seit ihrem selbstbetitelten Debüt hatte Meiko waschechte Hits auf mehreren Kontinenten, war in den renommiertesten der großen amerikanischen Late-Night-Talkshows zu Gast und kann darüber hinaus einer zahlenmäßig beeindruckenden Social-Media-Anhängerschaft sicher sein. Ihr fünftes Album mit eigenen Songs markiert nun dennoch einen Neuanfang für sie. Inzwischen in Hamburg zu Hause, schlägt sie auf "In Your Dreams" nach einigen Ausflügen auf Portishead-Terrain mit sanft elektronisch umspülter Handmade-Instrumentierung klanglich den Bogen zurück zum unbeschwert-federleichten Songwriter-Pop ihres Erstlings, während nachdenkliche Texte über die Versuchungen der modernen Welt, ihren Abschied aus der alten Heimat und die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter ihr künstlerisches Wachstum dokumentieren. Als "schlicht, schrullig und provokativ" bezeichnet Meiko selbst ihre mit herrlich intimen Momenten vollgestopfte neue LP, als sie auf einer kurzen US-Tour beim Zwischenstopp in Nashville die Fragen von Gaesteliste.de beantwortet, während ihr kleiner Sohn im Nachbarraum seine Fähigkeiten am Keyboard austestet.
GL.de: Wie fühlt es sich an, im Jahr 2019 Meiko zu sein, und was ist der größte Unterschied zu der Zeit, als du vor mehr als zehn Jahren dein erstes Album veröffentlicht hast?

Meiko: Das ist eine großartige Frage. Ich bin definitiv zuversichtlicher in Bezug auf die Musik, die ich mache, und in gewisser Weise besser in Liebesdingen. 2007 war ich ein bisschen unsicher und auch skeptischer gegenüber der Liebe.

GL.de: Das Offensichtliche zuerst: Wie bitte landet eine junge Dame aus Georgia, die in Kalifornien ihre Karriere gestartet und auch in Nashville gelebt hat, danach in Deutschland?

Meiko: Ich habe einen wunderbaren Mann geheiratet, der halb Deutscher ist, und wir hatten ein Baby in Nashville, wo wir lebten. Als wir im Sommer des 2. Geburtstages unseres Sohnes Deutschland besucht haben, fühlten wir uns sofort mit Hamburg verbunden und machten Pläne, unsere Sachen in Tennessee zu packen und unser Deutschland-Abenteuer zu beginnen.

GL.de: Anders als viele andere hast du dich für Hamburg anstatt für Berlin entschieden. Was magst du besonders an der Stadt?

Meiko: Ich liebe die lockere Art der Menschen. Die Stimmung ist insgesamt freundlich und es gibt ein ausgeprägtes Sozialbewusstsein. Ich liebe den Geruch der Luft und all die Spielplätze. Ich liebe auch Astra-Bier. Es gibt viele Dinge, die ich an Hamburg mag, und ich habe das Gefühl, dass ich die Stadt vor meinem Besuch nicht wirklich kannte. Ich liebe auch den öffentlichen Nahverkehr in Hamburg. Ich fahre morgens gerne mit der U3 bis zur Endhaltestelle - mein Tagebuch und einen guten Filzstift in Händen. Ich liebe es, Leute zu beobachten und zu schreiben.

GL.de: Wenden wir uns der Musik zu: Gab es einen bestimmten Wendepunkt, an dem du realisiert hast, dass du Musikerin werden wolltest?

Meiko: Nicht wirklich. Seit ich ein kleines Mädchen war, wusste ich, dass ich das tun wollte. Musik und Performances stecken tief in mir drin, und ich bin einfach glücklich, dass ich etwas zu sagen habe und die Leute bereit sind zuzuhören.

GL.de: Falls einige unserer eigentlich gut informierten Leser bislang wider Erwarten noch nie von dir gehört haben: Kannst du bitte einige Highlights deiner bisherigen Laufbahn nennen?

Meiko: Alles begann, nachdem einige meiner Lieder in einer großen amerikanischen Fernsehsendung namens "Grey's Anatomy" verwendet wurden. Dadurch konnte ich meinen Job als Cocktailkellnerin kündigen und 2007 auf Tournee gehen. Seitdem bin ich als selbstständige Musikerin unterwegs. Ich hatte auch einen Nummer-1-Song im japanischen Radio mit dem Titel "Stuck On You", der 12 Wochen lang die Nummer 1 in drei verschiedenen Radio-Formaten war. Ich bin oft nach Japan gereist, um aufzutreten, und war sogar bei den Billboard Music Awards Japan zu Gast.

GL.de: In gewisser Weise fängst du nun wieder von vorne an, zumindest hier in Deutschland. Du hast gesagt, dass es dir beim neuen Album darum ging, die Freiheit zurückzugewinnen, die verloren geht, wenn man an ein großes Label gebunden ist, und zur simpleren Herangehensweise deines selbstbetitelten DIY-Debüts zurückzukehren. Siehst du Neuanfänge als positive Herausforderung?

Meiko: Ja! Ich habe es immer geliebt aufzutreten, und einer der schönsten Aspekte ist für mich dabei, für Leute zu spielen, die mich oder meine Musik nicht kennen. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich in Amerika faul geworden bin und musikalisch nur im Leerlauf gefahren bin. Es ist schön, nun das Feuer wieder zu spüren.

GL.de: Viele Songs auf "In Your Dreams" sind etwas dunkler gefärbt als die betont unbeschwerten Lieder deiner ersten Platten. Ist das das Resultat des Älterwerdens, deiner Mutterrolle, deiner seit dem Umzug anderen Sicht deiner amerikanischen Heimat und von ein wenig Unsicherheit ob deines Neustarts in Deutschland?

Meiko: Ich würde sagen, das stimmt. Das Hauptthema der Platte ist, dass ich, seit ich Mutter bin, die Welt und die Person, die ich bin, äußerst bewusst wahrnehme. Da ich vorerst die Beschützerin meines Sohnes bin, musste ich vielen Menschen vergeben, damit ich dieses emotionale Gepäck nicht an ihn weiterreiche. Ich bemerkte auch, wie sehr ich mit dem Konsum beschäftigt war, und wollte das einschränken, um ein besseres Vorbild zu sein. Dieses Gefühl übertrug sich mühelos auf die Platte... Es quoll einfach so aus mir heraus, als ich schrieb. Vielleicht ist es ein bisschen düster, aber wie immer auch introspektiv und ein Schnappschuss meiner Gefühle der letzten Jahre.

GL.de: Songs wie "Gimme Gimme" und "My Brain Is A Computer" befassen sich mit einigen der Fallstricke der modernen Welt. Sollen sie dich, wenn du sie Abend für Abend auf der Bühne singst, daran erinnern, was du in deinem Leben ändern möchtest?

Meiko: Ja! Das ist das Ziel... Ein Beispiel ist, dass ich die schlechte Angewohnheit hatte, direkt nach dem Aufwachen auf mein Mobiltelefon zu schauen. Jetzt habe ich es aus dem Schlafzimmer verbannt und versuche nach dem Aufwachen erst einmal zum Fenster zu gehen, um etwas Natur zu sehen. Ich denke, das hilft mir, den Tag positiv zu gestalten. Ich weiß nicht, ob die Welt wirklich immer verrückter wird oder ob wir uns dessen nur bewusster sind, weil wir alle so süchtig nach Nachrichten sind. Es ist beängstigend, wieviel Raum das einnimmt. Insbesondere diese beiden Songs erinnern mich daran, mehr dem Moment zu leben, die einfachen Dinge zu schätzen und mich nicht zu sehr in die Technologie zu vertiefen.

GL.de: Ist das Schreiben von Songs für dich eine Möglichkeit, bestimmte Ereignisse und Situationen zu verarbeiten?

Meiko: Ja, das ist meine Therapie, meine Art, mit Depressionen und Dingen umzugehen, die ich durchmache. Ich denke, wenn ich ein ungutes Gefühl annehmen und es in einen Song verwandeln kann, wird das Negative ins Positive umgewandelt. Wenn ich glücklich bin, bin ich allein damit beschäftigt, glücklich zu sein. Damit höre nicht auf, um zu denken: "Hey, ich muss ein Lied schreiben! Ich bin so glücklich!" Ich bin dann nur damit beschäftigt, den Moment zu genießen. Wenn ich traurig oder wütend bin, ist es für mich selbstverständlich, mich zu isolieren und poetisch zu werden.

GL.de: Nach was suchst du heutzutage in einem Song, und wie hat sich das über die Jahre verändert?

Meiko: Ich denke nicht, dass sich viel an dem geändert hat, was ich an Songs (meinen und der anderer) mag. Ich mag es, von Anfang an in eine Geschichte hineingezogen zu werden. Ich unternehme gerne eine Reise mit dem Künstler, und als Künstlerin liebe ich es, den Zuhörer auf meine Reise mitzunehmen. Dass ein Song dazu in der Lage ist, dich mitzunehmen, wenn auch nur für einen Moment, das ist wunderbar, besonders wenn es jemandem hilft, seine Probleme zu lösen, so wie es zuvor dem Künstler geholfen hat, als er es schrieb.

GL.de: Klanglich hast du dich in der Vergangenheit an unterschiedlichen Ansätzen versucht und dich mit "Dear You" vor fünf Jahren weiter denn je von deinen Singer/Songwriter-Wurzeln entfernt. Inzwischen fühlt es sich aber so an, als hättest du die für dich perfekte Balance zwischen Pop und Folk, zwischen einem modernen Anstrich und traditionellen Werten gefunden?

Meiko: Ja, ich liebe organische Instrumente, nein, organische Instrumente und einen guten 808 Drum-Loop. "Dear You" war ein Experiment, das ich mit einem wirklich talentierten Produzenten namens Jimmy Messer gemacht habe. Er hat mir erlaubt, viel mitzureden, und hat darauf aufgebaut. Das Album klang meiner Meinung nach auch viel aggressiver. Ich hatte ein wenig Druck von der Plattenfirma und war etwas rebellischer mit meinen Entscheidungen bei der Produktion und Präsentation. Es hat wirklich Spaß gemacht, aber ich bevorzuge das intimere Ich.

Gl.de: Bedeutet das, dass du dich inzwischen am wohlsten dabei fühlst, deinen Instinkten zu folgen und das tun, was dir wichtig ist, anstatt auf Meinungen von außen zu hören?

Meiko: Natürlich! Ich habe in all den Jahren des Künstlerdaseins gelernt, dass es sofort auffällt, wenn etwas nicht von mir geschrieben wurde und ich mich nicht zu 100% damit wohlfühle. Es ist mir sehr wichtig, von meiner Arbeit wirklich Besitz zu ergreifen.

GL.de: Weil dein Album "In Your Dreams" heißt, sei die Frage erlaubt: Hast du noch Träume oder lebst du den Traum bereits?

Meiko: Ehrlich gesagt fühlt es sich so als, als lebte ich den Traum. Ich bin verliebt in meinen Ehemann, den ich vor vier Jahren geheiratet habe. Wir haben eine schönen, aufgeweckten (fast) dreijährigen Sohn und wir lieben, wo wir leben. Jeden Tag bin ich dankbar und sonne mich im "Jetzt".

GL.de: Was macht dich derzeit als Musiker am glücklichsten?

Meiko: Ich weiß, dass ich eine neue Platte aufgenommen habe, auf die ich wirklich stolz bin. Mein Freund Joe Purdy sagte zwei Dinge, die mich durch den gesamten Prozess begleitet haben. Das eine ist, eine Platte zu machen, für die gilt: "All Killer and No Filler", und das andere: "Du bist nur so gut wie deine letzte Platte." Ha! Ich bin also sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit.

GL.de: "In Your Dreams" erscheint diese Woche - und dann?

Meiko: Ich werde zur Veröffentlichung in meiner Heimatstadt in Georgia sein und meinen Vater sehen, den Mann, mit dem alles angefangen hat. Ich habe vor, in die 1. Klasse meiner Freundin zu gehen (sie ist Lehrerin) und für die Kinder zu spielen. Der springende Punkt dieser Platte ist: Wenn du einen Traum hast, verfolge ihn! Mein Traum war, schon seit ich klein war, zu singen. Ich wollte immer auf der Bühne stehen und vor Publikum singen. Das war mein Wunsch zu jedem Geburtstag. Ich möchte die Leute wissen lassen, dass es möglich ist, ihre Träume zu verwirklichen, auch wenn sie wie ich aus einer sehr kleinen Stadt kommen, aus Roberta, Georgia, Einwohnerzahl: 808.

GL.de: Zum Schluss noch berühmte letzte Worte?

Meiko: Berühmte letzte Worte… Es fällt mir nichts ein außer diesem Zitat von Paulo Coelho: "Es gibt nur eine Sache, die es unmöglich macht, einen Traum zu erreichen: die Angst vor dem Scheitern."

Weitere Infos:
www.meikomusic.com
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Interview: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Rebecca Ward-
Meiko
Aktueller Tonträger:
In Your Dreams
(Popup/Soulfood)




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