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OCIE ELLIOTT
 
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Ocie Elliott
Sierra Lundy und Jon Middleton mögen zwar keinen besonderen Masterplan auf Tasche haben (das sagt das Pärchen von der kanadischen Westküste jedenfalls von sich selbst) - allerdings sind sie im Web schon alleine dadurch omnipräsent, dass sie über 30 Videos anzubieten haben. Und damit sind keine Live-Bootlegs gemeint, sondern vor allen Dingen solche, in denen sie auf der Rückbank von Jons Honda CR-V sitzend entweder eigene Songs oder einfühlsam dahingehauchte Folk-Coverversionen von so unterschiedlichen Acts wie John Prine, Simon & Garfunkel, Beach House, Lana Del Rey, Radiohead, Gillian Welch, Milky Chance, Shovels & Rope, Future Islands, Youth Lagoon und nicht zuletzt Elliott Smith spielen - wobei Elliott Smith dann auch gleich zum Namen des gemeinsamen Projektes inspirierte. "Da gibt es eigentlich keine großartige Story", erklärt Jon Middleton auch eher verlegen, "Ocie Elliott ist ein fiktionaler Charakter. Ocie ist einfach mein Spitzname. Und da wir beide von Elliott Smith inspiriert sind - und das gut zu Ocie passte - haben wir das als Nachnamen gewählt."
Nun gibt es ja - wie gesagt - jede Menge Videos von Ocie Elliott im Web zu finden - jedoch bislang nur zwei Veröffentlichungen: Die selbstbetitelte EP von 2017 und eine Art Mini-LP namens "We Fall In", die Anfang des Jahres heraus kam. Wird es jetzt nicht langsam mal Zeit für einen Longplayer? "Also um ehrlich zu sein, wissen wir das selbst nicht so ganz genau", meint Jon und Sierra fügt hinzu: "Wir kämpfen jetzt schon einige Zeit mit dem Format." "Das liegt auch daran, dass sich alles so stark geändert hat", überlegt Jon, "wir würden ja schon gerne ein Album herausbringen, denn wir haben viele Song-Ideen. Es geht eigentlich nur darum, dass wir das mal in Angriff nehmen und die Sachen alle aufnehmen." Und dann sind da ja auch noch die Cover-Versionen. Gibt es da eigentlich irgendwelche Vorlieben? "Gute Frage", meint Sierra, "ich würde sagen, dass wir zunächst mal beide den Song mögen müssen. Und wir entscheiden uns für gewöhnlich für Songs, die auf Harmonien basieren - oder aus denen wir Harmonien herausholen können." "Ja, es muss irgendwie interessant für zwei Stimmen sein", fügt Jon hinzu, "manchmal gibt es ja bereits Harmonien - aber es kann auch interessant sein, einen Song zu nehmen, der gar keine Gesangsharmonien hat und dann welche dafür zu finden." Was ist denn ein guter Song für Ocie Elliott? "Das ist eine schwierige Frage", meint Jon, "wir müssen beide emotional hinter dem Song stehen, denn speziell wegen der Art, wie wir singen, ist es notwendig, dass wir sowohl die Gefühle, wie auch die Melodie des Songs verinnerlichen müssen. Der Song sollte auch melodisch interessant sein." "Es geht auch um die Beziehung, die man zu einem Song hat", führt Sierra aus, "man muss irgendwie von einem Song fasziniert sein und sich von dem Song angezogen fühlen."
Was regt Sierra und Jon denn in musikalischer Hinsicht an? Obwohl sie sich ja weitestgehend dem Folk-Genre verschrieben haben (einfach in der Art, wie sie ihre Songs aufbereiten), verzichten sie jedoch darauf - wie viele ihrer Landsleute - sich auf Gedeih und Verderb den verschiedenen Klangfarben US-amerikanischer Musikgenres hinzugeben. "Das ist ähnlich in der Art, wie wir unsere Covers aussuchen", erklärt Jon, "natürlich sind wir beide von der Musik inspiriert. Aber ich denke, wir sind noch dabei, unseren Prozess herauszufinden." "Ich denke, unsere Songs zu erforschen und aufzulösen ist gerade für uns eine große Sache", überlegt Sierra - was John zum Lachen bringt. "Wir sind ja nur zu zweit", führt er dann aus, "und das heißt natürlich, dass wir beide unsere Ideen beitragen müssen, damit es interessant wird. Ich schreibe zum Beispiel sehr viel über mich selbst. Sierras Ideen laufen zwar meinen nicht direkt zuwider, aber sie hat Ideen, an die ich gar nicht denken würde. Das hilft natürlich unserem Prozess als Songwriter, weil wir die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln angehen."

Woher kommen Sierra und Jon eigentlich? "Wir kommen beide aus derselben Gegend", erzählt Jon, "von der Westküste. Ich bin auf Vancouver-Island aufgewachsen und Sierra auf einer kleineren Insel in der Nähe. Unser Background ist also ziemlich ähnlich. Sogar die Häuser, in denen wir aufwuchsen, sind ähnlich - denn unsere Väter haben sie selbst im Stile von Blockhäusern im Wald gebaut. Man kann es zwar nicht festmachen, aber ich denke, dass sich das auch auf unsere Musik niederschlägt." "Wir sind vor einiger Zeit zum Beispiel mal gefragt worden, ob uns das Wasser besonders inspiriert, weil das viel in unseren Songs auftaucht", fügt Sierra hinzu, "und da wir beide auf Inseln aufwuchsen, denke ich auch, dass dem so ist - ob das nun bewusst ist oder nicht."

Ocie Elliott
Arbeiten Sierra und Jon eigentlich alleine vor sich hin? "Schwer zu sagen", grummelt Jon, "in Victoria gibt es eine gesunde Musikszene - nicht nur lokal, sondern auch national und international - und wir unterstützen uns alle irgendwie. Das hilft schon - die Musikszene wächst." "Auch international funktioniert das ganz gut", ergänzt Sierra, "wir haben nun Beziehungen nach Australien und den USA. Das ist interessant. Ich habe zuletzt auch die Stimme für Elektronik-Projekte beigesteuert." "Und ich habe, als ich jung war, in Punk, Rock, Metal und Reggae-Bands gespielt", fügt Jon hinzu. Und dann gibt es ja auch noch einige Remixe von Ocie Elliott-Songs. "Damit haben wir aber nichts zu tun", meint Jon, "das sind meist Deutsche, die das machen." "Ich denke, wir sind aufgrund dessen, dass wir in die Sache mehr oder minder hineingestolpert sind, noch dabei unseren Weg zu finden", überlegt Sierra dann, "vielleicht versuchen wir sowas ja auch mal." "Worüber wir immer gesprochen haben, ist die Sache, dass es immer um Hamonie-orientierte Musik gehen sollte", überlegt Jon, "wenn das Sinn macht, meine ich - denn das ist immer das, was unsere Stärke ausmacht. Ich meine wir sind zusammen einfach stärker, wenn wir singen. Egal in welchem Stil wir also etwas machen - es muss immer um den Gesang gehen." Und was ist dabei die Herausforderung? "Ich denke, irgendwie interessant zu sein", zögert Jon, "nicht auf eine übertriebene Art, aber eine eigene Identität zu haben, ist schon wichtig. Es gibt heute schließlich so viel Musik da draußen, dass man seinem eigenen Sound schon treu bleiben sollte." "Es gibt heutzutage auch so viele verschiedene Instrumente und Effekte und Dinge, die man anhäufen kann, dass es schwierig ist die Sache einfach zu halten", fügt Sierra hinzu, "das ist eine Herausforderung, weil es ist so viel einfacher ist, Sachen hinzufügen, als einen Song einfach zu gestalten."

Gibt es bei dem etwas spezifisch Kanadisches in der Musik von Ocie Elliott? "Ich weiß nicht", überlegt Jon, "vielleicht ist es der Umstand der Größe unseres Landes. Selbst wenn man das Land durchquert, sieht man nur einen kleinen Ausschnitt davon." "Es ist dann auch überwältigend zu sehen, wie riesig und leer das alles ist", meint Sierra. "Vielleicht ergibt das dann einen Sinn von Ruhe, Nachdenklichkeit und Gelassenheit?", resümiert Jon, "einer der ersten Songs, den wir zusammen gesungen haben, war 'Look At Miss Ohio' von Gillian Welch und für mich ergab das damals ein Gefühl des Friedens - weil sich unsere Stimmen für mich zwar aufregend aber auch gleichzeitig beruhigend anfühlen." Und Gillian Welch ist ja auch eine Künstlerin, der es auf meisterhafte Art gelingt, ihre Songs auf das Wesentliche einzudampfen.

Gibt es eine musikalische Vision oder ein Ziel für Ocie Elliott - oder geht es einzig um die gemeinsame musikalische Reise? "Ich denke, der Prozess als solches ist uns definitiv am wichtigsten", überlegt Sierra, "natürlich haben wir irgendwo auch Ziele - aber was mich fasziniert, ist der Weg dahin." "Genau", pflichtet Jon bei, "unsere Ziele sind zur Zeit noch nicht definiert - aber ich habe das Gefühl, dass wir beide auf dasselbe Ziel hinarbeitn - auch wenn wir nicht genau wissen, was dieses Ziel ist. Wir machen einfach die Musik, die wir beide mögen und das ist das Entscheidende."

Weitere Infos:
www.facebook.com/ocieelliottmusic
www.ocieelliott.com
www.youtube.com/channel/UCA_i9ygNW_EBF82ZfluYCFA/videos
www.youtube.com/watch?v=ein3mqft65M
www.youtube.com/watch?v=qthPUx4S2T4
www.youtube.com/watch?v=taO2TYUe-4U
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-
Ocie Elliott
Aktueller Tonträger:
We Fall In
(Nettwerk)




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