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YASSIN
 
Ende in Sicht. Nicht.
Yassin
Natürlich gibt es die Superstars, gibt es Casper, Marteria und die Beginner. Doch es sind auch Künstler wie Yassin, die zeigen, dass Deutschrap nicht nur Bushido und Kollegah sind, dass Deutschrap Kunst ist, politisch, spannend, einfach richtig, richtig gut. Seit fast zehn Jahren schon ist Yassin mit seinem Partner Audio88 unterwegs, man veröffentlichte sechs Alben, spielte Festivals von Splash bis Hurricane - und macht natürlich auch auf "Ypsilon" gemeinsame Sache, dem ersten Solo-Album von Yassin. Und das ist ein beeindruckend vielfältiges Album, musikalisch wie inhaltlich. Von derberen Sounds bis zu poppigen Momenten, von oldschooligen bis modernen Styles ist alles dabei. Ein Album zum Zuhören und ein Album zum Abfeiern. Ende März geht Yassin auf Tour. Vorab spricht er mit Gaesteliste.de über "Ypsilon".
GL.de: Du hast im Punchline Quiz vom Splash Mag mit Audio88 unterschiedliche Lines aufgrund ihrer sauberen Reime und einzelner Worte den richtigen Künstlern zuordnen können - woran erkennt man deiner Meinung nach deine Texte? Was ist typisch Yassin?

Yassin: Also das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Wenn Leute mir Komplimente für meine Texte machen, sagen sie sowas wie: tiefgründig, zweideutig, reich an Metaphern, witzig und intellektuell formuliert. Sehe ich alles ehrlich gesagt nicht so, aber ich mache mir auch mehr Gedanken darüber, was sie alles noch nicht sind und versuche dann daran zu arbeiten. Ich würde vermutlich eher Defizite auflisten und ein paar wertfreie Adjektive wie "persönlich" oder "ehrlich".

GL.de: Hast du die "Ypsilon"-Texte eigentlich alle explizit für das Album geschrieben oder gibt es auch ältere Sachen, die bisher einfach nicht passten?

Yassin: Die Texte auf dem Album sind mit einer Ausnahme alle explizit für dieses Album entstanden. "Nie so" mit Mädness ist der einzige Song, der mal in einer alkoholisierten Nacht-Session entstand, bevor ich konkret beschlossen hatte, endlich ein Solo-Album zu machen.

GL.de: Wie hat Audio 88 eigentlich reagiert, als du ihm gesagt hast, dass du ein Solo-Album machst?

Yassin: Er hat mich seit Jahren dazu gedrängt und auch immer wieder ermutigt. Ohne ihn wäre es gar nicht so weit gekommen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar! Im Nachhinein hätte es zwar auch schneller gehen können, aber das sagt man nach jeder Platte.

GL.de: Schreibt man anders, wenn ein Partner fehlt, der evtl. auch mal Feedback gibt? Fehlt diese Meinung vielleicht oder war es auch mal gut, nur auf einen selbst hören zu müssen? Wobei: oder hatten anderen Menschen ihre Finger im Spiel oder gaben Feedback auf deine Texte?

Yassin: Sowohl als auch. Der Kampf, selbst entscheiden zu müssen, wann es gut genug oder rund oder fertig ist, war teilweise hart, aber lehrreich. Aber das heißt nicht, dass ich mir nicht Feedback eingeholt hätte. Allerdings je nach Song und Thema von verschiedenen Freunden und Kollegen. Wir haben auch alle unterschiedliche Herangehensweisen an Songs und Songkonzepte. Da hat der Austausch sehr viel gebracht! Was mir vor allem dadurch mal wieder bewusst wurde: Ich habe einfach unfassbar gute Texter um mich herum. Audio88, Mädness, Döll, K.I.Z, Tua - um nur ein paar zu nennen. Da strengt man sich auf jeden Fall schon an, bevor man eine erste Skizze herumzeigt.

GL.de: Was machst du auf "Ypsilon" anders als alle anderen Rapper in Deutschland?

Yassin: Wenn mir etwas auf "Ypsilon" gelungen ist, dann auch aus unangenehmen, harten oder zumindest ernsten Themen Musik zu machen, die man mitsingen bzw. mitbrüllen und zu der man sich bewegen kann, ob jetzt im Moshpit oder beim Staubsaugen. Das gelingt gerade im deutschen Rap nicht vielen. Da sind auch einige Ohrwürmer dabei, die sich so hinterlistig erst eine Weile nach dem Hören melden und dann hartnäckig bleiben. Für mich ist das Album deshalb auch super positiv. Und nicht jeder Song handelt von etwas Ernstem, aber alles worüber ich dort rede und singe ist mir in meinem Leben wichtig. Ich bin mir sehr sicher, dass die Hörer das zuhause genauso merken werden wie vor der Bühne.

GL.de: "Ypsilon" klingt musikalisch und textlich sehr vielfältig - war das von Anfang so geplant oder passierte das einfach so?

Yassin: Als ich angefangen habe, konkret an dem Ziel "Album" zu arbeiten, hatte ich nur so eine diffuse Vorstellung im Kopf, dass es vieles auf einmal sein muss. Genauer konnte ich das aber noch nicht fest machen. Mir war aber klar, dass ich nicht nur Rap als musikalischen Einfluss gelten lassen wollte, da ich auch andere Musik höre und gehört habe. Was dann letztendlich geholfen hat, waren zum einen die unterschiedlichsten Stile der Menschen, die an diesem Album komponiert und produziert haben und die Wiederentdeckung meiner früheren Lieblingssongs. Ich habe letztes Jahr eine Spotify Playlist angelegt, um mir meine musikalische Sozialisation nochmal bewusst zu machen. Da kam vieles wieder ins Gedächtnis, das auf dem Album dann Früchte trägt.

GL.de: Wie würdest du "Ypsilon" musikalisch beschreiben?

Yassin: Vielfältig. Hahaha. Keine Ahnung. Ich weiß, zum Promoten sollte man so eine Orientierung geben, aber ich bin kein großer Freund von so Genrenamen. Ich wage mich jetzt mal auf dünnes Eis: Das Album könnte dir zum Beispiel gut gefallen, wenn du gerne Audio88 & Yassin, Arcade Fire, Haftbefehl, Aphex Twin, Moses Pelham, Bilderbuch, 90s Hardcore Techno, Bon Iver, Asap Rocky, James Blake und Farhot hörst. Was weiß ich...

GL.de: Hast du eine Lieblingsline oder einen Lieblingspart auf dem Album?

Yassin: Der letzte Song auf dem Album, also der Titelsong "Ypsilon", ist für mich besonders wichtig. Obwohl er am Schluss des Albums steht, ist er nicht das Ende - nur eben kurz davor. Wie der Buchstabe Y im Alphabet. Was man mit dem Ende in Sicht als nächstes macht, muss man selbst wissen. Was ich daraus machen will, habe ich in den Song gepackt und das ist mir schwer gefallen, weil es eine Art Mantra für mich sein soll, wenn ich mal wieder zweifle, um mich zurück auf Kurs zu bringen.

GL.de: Ein Song wie "Meteoriten" ist schon sehr poppig, aber trotzdem passt der Song auf das Album, fällt nicht auf und ist ziemlich cool. Frage: Was darf Rap, wie weit darf Rap musikalisch gehen? Wann wird aus Rap Pop?

Yassin: Das sind Fragen, die für Musikkritiker und -journalisten scheinbar immer sehr wichtig sind und die dann auch von Hörern gestellt werden. Ich mache da für mich keine Grenzen mehr. Wenn ich ein Genre benenne, dann um jemandem etwas zu erklären oder weil es beim Musik machen hilft, aber nicht mehr um Musik zu bewerten. Nicht weil ich etwas Besseres bin, aber sieh mal: Pop ist die Abkürzung für Populärmusik. Also Musik, die entweder vielen Menschen gefällt oder gefallen soll. Die meisten Musiker lügen, wenn sie sagen, dass ihre Musik nur wenigen gefallen soll. Oder aber genau diese Attitüde soll dann den Leuten gefallen, sie verhalten sich also poppig. So gesehen wird doch alles Pop, wenn es einer bestimmten Menge an Menschen gefällt. Oder alles ist Pop wenn es gemacht wurde, in der Hoffnung, einer bestimmten Menge an Menschen zu gefallen. Also ist Rap seit Jahren Pop. Keine Ahnung. Verstehst du, was ich meine? Über so etwas nachzudenken, macht mir erstens keinen Spaß mehr und bringt mich zweitens auch nicht weiter. Man kann einen Song "poppig" klingen lassen, was dann aber eher bedeutet, dass man sich bewährter Mechanismen oder Tricks bedient. Und auch das hat seine Berechtigung. Mein einziges Maß für so etwas ist mein Geschmack. Keine Ahnung, wie exquisit der ist, aber soll ich mich lieber an erfundene "Genregrenzen" halten oder an das, was ich mag oder nicht mag? Einfache Frage, wie ich finde.

GL.de: Hast du dir trotzdem musikalische Grenzen gesetzt oder dir Dinge verboten?

Yassin: Wie gesagt - alles, was ich mag, war und ist erlaubt. Verboten war nichts, aber ich war vorsichtig bei Rock, da ich dabei absolut nicht beurteilen könnte, wie dilettantisch ich es umsetze. Aber das reizt mich auch am wenigsten.

GL.de: Beats basteln, Beats aussuchen, Texte schreiben, Texte mit Musik verbinden, aufnehmen - was macht dir am meisten Spaß und was artet manchmal auch in Arbeit aus?

Yassin: Alles und alles, das wechselt. Aber gerade ist mein Favorit das Schreiben während des Aufnehmens bzw. eher Aufnehmen ohne zu schreiben. Das fühlt sich momentan am wenigsten nach Arbeit an und habe ich so auch neu für mich entdeckt. Drei Songs auf dem Album sind komplett so entstanden und noch ein paar Passagen und Refrains. Da habe ich dann erst im Nachgang alles nochmal abgetippt um Details zu verbessern.

GL.de: Schreibst du eigentlich spontan und wenn dir was einfällt oder setzt du dich bewusst hin, um Texte zu schreiben?

Yassin: Das ist mal so mal so. Aber ich bin leider nicht so der Typ, der sich ständig die Killer-Zeilen notiert, wie das z.B. Audio88 macht. Die Notizen von ihm sind Gold wert und viele unserer gemeinsamen Songs nahmen mit einer davon den Anfang. Ich notiere mir dann eher interessante Wörter, Metaphern, Themen oder Konzepte, und das auch eher selten. Das ist etwas, was ich trainieren sollte.

GL.de: Welche Rapper und Rap-Alben feierst du gerade ab, was muss man sich anhören - und von was sollten wir vielleicht die Finger lassen?

Yassin: Wen jeder gerade zurecht nennt: OG Keemo. Außerdem JPEGMAFIA, Tua, Döll. Ich könnte eine lange Liste machen, aber checkt einfach mal meine Playlist "#YPSILONHÖRT". Jetzt hier Namen zu nennen, die man sich nicht geben sollte, halte ich für überflüssig. Machen wir dann in der nächsten Audio88 & Yassin Promophase wieder, hahaha.

GL.de: Wer wird dich auf Tour begleiten, was dürfen wir erwarten, was erwartest du von der Tour?

Yassin: Ich will noch nicht zu viel verraten, außer dass ich mein Bestes geben werde, wie immer, wenn ich auf der Bühne stehe! Bei der Normalen Weihnachtsmesse im Dezember konnte ich schon mal vorfühlen und es war ein unglaublich gutes Gefühl, die neuen Sachen endlich live zu spielen! Ich freue mich riesig darauf, weil das der Ort ist, wo man Menschen mit seiner Musik komplett einnehmen und mitreißen kann. Alle, die sich schon jetzt vor Album Release eine Karte gekauft haben, sind einfach nur korrekt! Danke für euer Vertrauen und den (fast) blinden Support, das weiß ich sehr zu schätzen!

Weitere Infos:
www.facebook.com/ypsilondope
Interview: -Mathias Frank-
Foto: -Pressefreigabe-
Yassin
Aktueller Tonträger:
Ypsilon
(Normale Musik/Groove Attack)




Yassin

 
 

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