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WENDY MCNEILL
 
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
Wendy McNeill
Seit sich die Kanadierin Wendy McNeill dazu entschlossen hat, ihre Lebenszelte in Schweden aufzuschlagen, hat ihre Karriere insofern eine neue Dynamik bekommen, als das sie - auch was ihre musikalischen Unternehmungen betrifft - in Europa wesentlich präsenter ist, als auf dem heimatlichen nordamerikanischen Kontinent. Mit dieser Entwicklung einher ging eine musikalische Evolution, die Wendy von den klassischen Folk-Roots, die sie zunächst favorisierte, in eine Richtung führte, die deutlich weniger von klassischen Americana-Elementen geprägt ist, sondern in der sie ihre Stücke stattdessen zunehmend als "moderne Moritaten" ausformulierte. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass in ihren Songs immer stärker Motive zum Tragen kamen, die sich aus der Mythologie, der Esoterik, der Mystik und nicht zuletzt der Fabel speisten. Besonders deutlich wurde das auf ihrem vorletzten Album "For The Wolf, A Good Meal", dem sie nun - acht Jahre später - mit ihrem neuen Album "Hunger Made You Brave" eine Fortsetzung mit einer (zumindest angedeuteten) Auflösung angedeihen lässt. In der Tat gehören beide Alben folgerichtig auch zusammen - auch wenn sich musikalisch einiges getan hat und auch neue Charaktere das wundersame McNeill-Universum besiedelten.
Reden wir mal über Wendys Musik. Sie begann ihre Laufbahn ja in einem Setting, das man weitestgehend noch der Folk-Richtung zuweisen könnte, insbesondere, seitdem sie das Akkordeon zum Mittel ihrer Wahl gemacht hatte. In letzter Zeit, so scheint es, geht es Wendy aber um etwas anderes. Ihre letzten Arbeiten kommen stets eine Spur reduzierter daher, als die jeweils vorangegangenen - und das Akkordeon spielt heutzutage auch nur noch eine Nebenrolle. Worum geht er ihr dabei? "Ich will vor allen Dingen Platz für die Geschichte lassen", erklärt Wendy diesen Ansatz, "und ich will Platz lassen, damit der ganze Klang gehört werden kann. In diesem Sinne mag ich den Gedanken der Produktion nicht so sehr." Woher kommt denn dieser Ansatz? "Ich bin mir da nicht ganz sicher", gesteht sie, "aber ich vermute dass das mit meinem Hintergrund zu tun hat. Ich habe ja als Tänzerin angefangen und sehe daher die Musik vermutlich mit etwas anderen Augen. Musik ist für mich eine eigene Stimme." Eine Sache fällt in Bezug auf Wendys musikalische Entwicklung besonders auf: Früher basierten viele ihrer Songs musikalisch auf - wenngleich zuweilen verschroben verbogenen - Walzer-Themen. Das ist heute auch nicht mehr so wichtig, oder? "Ein Walzer ist für mich eine Methode, mich durch dunkle Gewässer zu bewegen", spezifiziert Wendy, "er macht Sachen interessant für mich, denn so kann ich durch dunkle Gewässer tanzen. Manchmal lasse ich mich da einfach reinfallen wie in eine bequeme Decke, wenn ich mich in düsteren Gefilde bewegen muss. Ich mag das also durchaus immer noch - aber tatsächlich gibt es auf diesem Album nur einen Walzer." Und warum? Geht es darum, nach Herausforderungen zu suchen? "Nachdem seit 'Wolf' acht Jahre vergangen sind, musste ich dieses Mal etwas innehalten", überlegt Wendy, "ich habe eine Menge durchgemacht - auf Touren, auf denen ich das Bewegungsprinzip und die Action als eine Art geographischer Heilung betrachtete. Und ich denke, dass es mir in der letzten Zeit deswegen mehr um das Still-Stehen und Innehalten geht." Was dazu führt, dass die Sache dieses Mal deutlich transparenter - und eben asketischer angelegt ist. Ist das denn ein bewusster Prozess gewesen? "Also ich habe mir gar nicht bewusst überlegt, welche Instrumente ich verwenden wollte", erläutert Wendy, "ich denke aber, dass das, was für mich neu war, dieser Synthie war, der alles durchwebt. Das gefiel mir sehr gut, weil sich das fast wie ein elektrischer Strom anfühlt, der alles irgendwie zusammen hält."
Dadurch ergibt sich ein recht ungewöhnliches Energie-Konzept: Statt langsamen und schnellen Stücken gibt es transparente und verdichtete, laute und leise, konkrete und unkonkrete Tracks. Ist das vielleicht eine dynamische, kinetische Sichtweise, die Wendy hier anwendet? "Also ich habe mich tatsächlich ein wenig mit der Quantenphysik beschäftigt", überrascht Wendy, "ich bin keine Wissenschaftlerin, aber ich habe mich ein wenig mit Einsteins grundlegenden Konzepten beschäftigt und habe das auch auf meine Musik implementiert. Auf 'Hunger' habe ich eine Sache beendet - mit der Möglichkeit eines Happy Ends, wo die Liebe auf den Schwingen eines Walzers daherkommt. Aber in der Zwischenzeit - in den letzten acht Jahren - habe ich mich den wirklich großen Themen wie z.B. dem Tod stellen müssen. Ich musste eine Art finden, damit umzugehen und die Musik ist mein Werkzeug dazu. Dahinter verbergen sich dann verschiedene Ansätze, wie zum Beispiel die großen Fragen zu stellen - was ist Leben, was ist Tod? Ergo geht es auf 'Hunger' um diese großen Fragen. Es geht hier also um Wiedergeburt, Leben nach dem Tod, mythologische Meteoren-Schauer, die spontan Frauen schwängern... ich gebe zu, dass es am Ende ziemlich wild zugeht." Ja, klar - es geht ja auch um die Mythologie, oder? "Laelaps" ist ein Hundecharakter aus der griechischen Sagenwelt und "Fenrir" der Wolf aus der nordischen Mythologie. "Ja, das stimmt prinzipiell", erläutert Wendy, "aber die Sache ist die, dass sie in meiner Geschichte dieselbe Person sind. Es geht ja um die Wiedergeburt, wie ich schon sagte. Und es geht darum, Lektionen durch die Wiedergeburt zu lernen. Der Grund, warum ich hier mythologische Figuren genommen habe, ist der, dass - meiner Meinung nach - mittels der Mythologie die Zeitlosigkeit als solche am ehesten auf unsere menschlichen Geschichten implementiert werden kann."
Wendy McNeill
Was will uns denn der Titel der Scheibe - "Hunger Made You Brave" - sagen? Ist der dann insofern wörtlich zu nehmen, als das jemand, der sich in einer Stress-Situation befindet, über sich hinauswachsen kann? "Ja, genau", bestätigt Wendy, "es kann sich bei dem besagten Hunger um faktischen Hunger handeln - oder mythologischen Hunger. Es funktioniert Beides. Es sind die grundlegendsten Motivatoren, die es gibt. Wenn man seine grundlegenden Bedürfnisse nicht befriedigen kann, wird man nämlich ganz schnell auf seine Urinstinkte zurückgeworfen - was zu unkalkulierbaren Folgen führen kann." Die Frage, die sich nun stellt, ist die, ob die von Wendy McNeill implementierte Vorgehensweise auf diesem Album ihr geholfen hat, über die zugrundeliegenden Erfahrungen - etwa mit dem Tod - hinwegzukommen. "Ich denke nicht, dass es darum ging, über etwas hinwegzukommen", zögert sie, "es geht mehr darum, sich dem Unbekannten zwar nicht zu unterwerfen, aber es zumindest zu akzeptieren, wenn nicht sogar damit anzufreunden. Ich weiß, dass mir die Arbeit an diesem Album geholfen hat. Ich bin mir mir heute mehr im Reinen. Wir wissen ja, dass uns am Ende alle der Tod erwartet - was man hinnimmt, wenn es um ältere Leute geht. Wenn es jedoch jüngere Leute betrifft, wie in meinem Fall, dann macht einen das ja zuweilen ja eher wütend. Aber durch die Arbeit an dem Album kann ich das heute - zumindest an guten Tagen - besser akzeptieren als zuvor; denn es gibt Momente, an denen ich mir einreden kann, dass der Tod vielleicht doch nicht das Ende sein müsste." Wie geht es denn nun weiter für Wendy McNeill - wird es weitere Geschichten aus der mythologischen Tierwelt geben? "Ich habe ungefähr 50% meines Lebens mit Tieren und die anderen 50% mit Menschen verbracht", überlegt Wendy, "ich schätze also, dass Tiere auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil meiner Geschichten sein werden."
Weitere Infos:
www.wendymcneill.com
facebook.com/WendyMcNeillMusic
Interview: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Pressefreigaben-
Wendy McNeill
Aktueller Tonträger:
Hunger Made You Brave
(Startracks/Indigo)




Wendy McNeill

 
 

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