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Niels Frevert - Putzlicht

Niels Frevert - Putzlicht
Grönland/Rough Trade
Format: LP

Jetzt also auch Niels Frevert: Auf seinem sechsten Album als Solist flirtet der beste deutsche Singer/Songwriter ungeniert mit dem Mainstream und badet dabei in genau der Art von gefälligem Wohlklang, der dieser Tage die populärsten Spotify-Playlists verstopft. Ein anbiedernder U-Turn ist "Putzlicht" zum Glück dennoch nicht. Vielmehr ist es eine beeindruckend organische Kurskorrektur, die vor allem Freverts Einzigartigkeit unterstreicht.

Wo anderen Künstlern auf einem ähnlichen Weg schnell all das verloren geht, was sie zuvor ausgemacht hatte, kann der Schlenker in Richtung Zeitgeist Freverts Strahlkraft nichts anhaben. Satte Klavierakkorde, kraftvolle Gitarren, wuchtiges Schlagzeug und allerhand moderne Effekte sorgen bisweilen für mehr Pathos und einen breitwandigeren Sound, im Mittelpunkt allerdings stehen stets Freverts unverwechselbare Stimme und seine unverkennbare Art, die Worte tanzen zu lassen. Seine Gabe, im Banalen das Besondere zu finden, macht es aus, das besondere Frevert-Gefühl.

Dazu passt, dass der Hamburger Musiker, inzwischen 51 Jahre alt, für das Suchen und Finden neuer Ausdrucksformen auf "Putzlicht" (fast) keine neuen Mitstreiter braucht: Auch dieses Mal ist Selig-Gitarrist Christian Neander Freverts rechte Hand beim Schreiben der Musik, Drummer Tim Lorenz ist seit dem Solodebüt von 1997 dabei, Bassist Stephan Gade seit "Seltsam öffne mich" aus dem Jahre 2003. Selbst Neu-Produzent Philipp Steinke gehörte schon, lange bevor er Boy oder Mark Forster in die Charts katapultierte, als Pianist zu Freverts Weggefährten. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die neuen Lieder typische Frevert-Songs bleiben, in ihrem lässig modernen Soundgewand aber mit einer neuen, unaufdringlichen Eingängigkeit bestechen. Bei keinem Lied gelingt das besser als beim herzergreifenden Titelstück: Große Gefühle werden hier in einen noch größeren Ohrwurm verpackt, mit den Gänsehaut-Bläser-Parts von Richard Koch und Multitalent Catharina Schorling als i-Tüpfelchen.

Nach drei in für seine Verhältnisse ungewöhnlich schnell hintereinander entstandenen Platten hat sich Frevert dieses Mal wieder Zeit gelassen. Fünf Jahre sind seit "Paradies der gefälschten Dinge" vergangen, und das kann man dem neuen Album auch anhören. Besser als frühere Werke ist "Putzlicht" nicht, aber es klingt wieder mehr nach Herzensangelegenheit. Persönlich waren Freverts Lieder immer, aber nachdem er sich zuletzt stärker als Geschichtenerzähler versucht hatte, lässt er sich nun wieder tiefer in die Karten schauen.

Viele Songs beschreiben seinen langsamen Weg zurück ins Leben und die Kraft der Lieder: "Wenn die Sache dir zu nahe geht / dein Herz in Schutt und Asche liegt / ist da immer noch / immer noch die Musik", heißt es in "Immer noch die Musik", das passend am Anfang des Albums steht. In "Ich suchte nach Worten für etwas, das nicht an der Straße der Worte lag", beantwortet Frevert dagegen die unausweichliche Frage der Pressevertreter nach seinem schleppend langsamen Arbeitstempo gleich vorab: "Warum das wieder so lange gedauert hat / werde ich im Interview gefragt / Ich sage: Weil ich jeden Morgen auf Knien gebetet habe / dass es nur dauert." Gott sei Dank hat es funktioniert!



-Carsten Wohlfeld-




 
 
 

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