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Kacey Musgraves - Golden Hour

Platte der Woche

KW 13/2018


Kacey Musgraves - Golden Hour
MCA/Universal
Format: CD

Die Frage, wie umwerfend gut Kacey Musgraves ist, lässt sich dieser Tage leicht beantworten - und dafür muss man noch nicht einmal das feine neue Album des hellsten Sterns am Country-Himmel des 21. Jahrhunderts gehört haben. Zeitgleich mit ihrer dritten LP als Solistin steuert die 29-jährige Amerikanerin mit der Engelsstimme nämlich gemeinsam mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Ruston Kelly die Nummer "To June This Morning" zum neuen Johnny Cash-Nachlass-Werk "Forever Words" bei und schafft es dabei mit musikalisch minimalen Mitteln, die komplette Superstarkonkurrenz (Kris Kristofferson, Willie Nelson, Elvis Costello, John Mellencamp und, und, und) locker auszustechen.

Doch auch wenn sie mit der wunderbaren Nummer an der Seite ihres Mannes ganz locker den Thron beansprucht, den in Music City jahrzehntelang Johnny und June besetzten - auf ihrem neuen Album entfernt sie sich ein Stück weit von den Tugenden, die sie zur vielleicht meistdiskutierten Country-Newcomerin der letzten Jahre gemacht hatten. Obwohl als Künstlerin mit Ecken und Kanten bekannt, die sich mit ihren klug beobachteten und nicht selten selbstironisch-witzigen Texten über das Kleinstadtleben - ihr erstes Album hieß großartigerweise "Different Trailer, Same Park" - genauso wie mit ihrem Kampf gegen Ignoranz und Intoleranz nicht nur in der männerdominierten Szene in Nashville einen Namen gemacht hat, sucht sie auf "Golden Hour" eher nach der Magie der Welt abseits wirtschaftlicher, sozialer und politischer Probleme, als mit Gesellschaftskritik den Finger auf die Wunde zu legen. "Ich wollte mit meiner Musik der Welt etwas Hoffnung, Liebe und Farbe schenken", erklärt sie ihre Herangehensweise selbst.

Auch deshalb verweisen viele Songs des Albums soundtechnisch weniger auf die Tatsache, dass Musgraves in der Vergangenheit schon mit Oldschool-Größen wie Willie Nelson oder Alison Krauss gemeinsam auf der Bühne stand, sondern unterstreichen klanglich oft eher, dass sie auch an der Seite von Katy Perry oder Harry Styles eine blendende Figur gemacht hat. Denn auch wenn gleich der Opener "Slow Burn" wunderbar klassisch und handgemacht daherkommt, viele Songs mit Pedal-Steel-Klängen geerdet werden und auch das Banjo, das bei Musgraves' Debüt-Hit "Merry Go Round" die tragende Rolle spielte, nicht vollkommen eingemottet wurde, sind es doch das elektronische Beiwerk und die Disco-Versatzstücke von Nummern wie "Oh, What A World" oder "High Horse", die besonders in Erinnerung bleiben. Das liegt allerdings nicht daran, dass diese herrlich ungenierten Vorstöße aufs Pop-Terrain brillanter sind als die feinfühligen und betont persönlich gehaltenen Klavier-Balladen "Mother" oder "Rainbow", die Musgraves enge Bindung zu ihrer Familie in den Fokus rücken. Vielmehr unterstreichen sie eindrucksvoll, wie leicht es der gebürtigen Texanerin fällt, ihre weltoffene Haltung auch musikalisch auszudrücken und selbst jenseits ihres Kerngeschäfts augenzwinkernd bestens zu unterhalten. "Golden Hour" mag Wasser auf die Mühlen der Puristen sein, denen Musgraves' Sound schon immer zu seicht war, alle anderen dagegen geben begeistert zu, dass diese junge Dame offenbar einfach alles kann.



-Carsten Wohlfeld-


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