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Maximum R'n'B

Ida Mae
Son Of Polvo

Köln, artheater
29.09.2019

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Ida Mae
"Wir haben ganz schön was erlebt, seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben", begrüßte Chris Turpin die Fans im Kölner artheater - von denen so einige bei dem ersten Gig von Ida Mae im März dieses Jahres im Blue Shell Club gewesen waren. Und das stimmte wohl: Nachdem Chris und seine Gattin Stephanie Jean weiland ihre ersten Konzerte als Ida Mae gespielt hatten, nachdem sie ihre alte Band Kill It Kid auf Eis gelegt hatten, zogen sie - noch bevor sie ihre Debüt-LP "Chasing Lights", die damals aufgrund von Label-Querelen im Limbo hing, veröffentlichen konnten - nach Nashville, in die USA, um dort den Blues zu studieren, denen sich Ida Mae mit Haut und Haaren verschrieben haben. Und dort, so erzählten sie zwischen den Songs, erlebten sie dann auf ihren Reisen so einiges: Auftritte in Las Vegas oder in Kalifornien gehörten ebenso dazu, wie Stadienkonzerte mit Willie Nelson und Allison Kraus oder Auftritte mit Marcus King, in Verlauf derer vor der Tür Schüsse zu hören waren und sie nach der Show gefragt wurden, ob sie Französisch seien. Und dann gab es noch einen Aufenthalt in jenem Motel in Mississippi, in dem der Geist von Bessie Smith der Legende nach am Leben gehalten wird und wo die Gäste des Nachts eingeschlossen werden. Harmloser, aber hektischer ging es danach in Europa weiter, wo Chris & Stephanie gerade beim Reeperbahn Festival auftraten, obwohl Chris' Gitarren von Eurowings verloren wurden und danach nach einem Trip durch Spanien über Paris soeben gerade in Köln angekommen waren. "Chris ist sehr erkältet, will aber nicht dass ich euch das sage." erklärte Stephanie auf Pigeon-Deutsch den zerzauselten Zustand ihres Gatten, der aber darauf bestand, gar keine Erkältung zu haben, sondern eine Spanien-Allergie - aufgrund der gerade gemachten Erfahrungen. Kurz gesagt: Im Prinzip war diese Show auf dem Papier eigentlich schon zum Scheitern verurteilt - doch es sollte ganz anders kommen.
Zunächst ein Mal eröffnete Kolja Paolo Wyrowski aus Hamburg die Show, der sich praktischerweise den Bühnennahmen Son Of Polvo gegeben hat. Kolja hatten Chris und Stephanie in Hamburg kennengelernt, weil dieser Chris seine Gitarren geliehen hatte, so dass zumindest der geplante Club-Gig gespielt werden konnte. Auf Koljas Facebook-Seite steht unter "about" knapp aber eindeutig: "A hat, a guitar & a voice". Genau genommen waren es zwei Gitarren, die Kolja bemühte - darunter eine der auch von Chris favorisierten Resonator-Dobros -, aber tatsächlich braucht Kolja nicht viel um glücklich zu sein. Mit sonorer Stimme und virtuosem Fingerpicking arbeitete sich der Son Of Polvo durch eine Sammlung authentisch anmutender, bluesiger Americana-Songs, die er mit der lässigen Attitüde eines altgedienten Kenners der Materie vortrug. Selbst ausgebuffte amerikanische Kollegen hätten das nicht glaubwürdiger oder kompetenter hinbekommen können. Dass es hier nicht darum ging, innovative Akzente zu setzen, war natürlich klar - störte aber natürlich auch nicht, denn schließlich ging es diesen Abend ja grundsätzlich um die Seele des Blues.
Kommen wir mal zum Titel dieser Story: Zwar spielten Chris und Stephanie nichts von The Who - zollten aber der Musikhistorie dennoch eifrig Tribut, etwa indem sie den Song "Ida Mae" von Blind Willie McTell spielten, der sie überhaupt zusammengebracht hatte, oder indem sie Mississippi Fred McDowells "You Gotta Move" in einer Version daboten, die selbst die der Stones von "Sticky Fingers" blass aussehen ließe - schon alleine der Lautstärke wegen. Und dann war da auch noch CSN&Ys "Ohio" - auch wenn der Song zunächst gar nicht zu erkennen war, weil Chris das Stück in der falschen Tonlage angestimmt hatte. Es sind dann aber die eigenen Songs, in denen Chris und Stephanie ihre eigenen Roots und die Erfahrungen, die sie als Musiker On The Road durchlebten, zum Thema machen, die das Kerngeschäft von Ida Mae ausmachen. "Wir haben die Songs mit Ethan Johns an den Drums live im Studio eingespielt", erklärte Chris den produktionstechnischen Ansatz, "und zwar zum allerersten Mal. Was ihr auf der LP hört, sind alles First Takes." Diese Ursprünglichkeit hört man der Musik von Ida Mae bis heute an. Da gibt es nichts Einstudiertes oder Formatiertes. Die Setlist wird im Dialog während der Performancs ausbaldowert und wie die Stücke letztlich rauskommen, hängt von der momentanen Inspiration ab. Und die war bei dieser Show besonders groß, denn irgendwie spielten sich Chris und Stephanie den Frust der Komplikationen der vergangenen Tage von der Leber. Für Schönklang und Feinsinnigkeit bleibt da kein Platz - hier steht die rohe Urgewalt der Musik im Zentrum und so kam es dann, dass - obwohl keine elektrische Gitarre und keine Rhythmusgruppe im Spiel war - die Show mächtiger rockte, als so manche Performance einer ganzen Combo.

Es gibt aber noch eine ganze andere Seite von Ida Mae - und dabei sind wir endlich beim "Maximum R'n'B" angekommen. Denn "R'n'B" heißt bei Ida Mae nicht einfach "Rhythmn & Blues", sondern "Romance & Blues". Richtig gelesen: Bei aller zur Show getragenen musikalischen Sturm & Drang-Attitüde geht es inhaltlich bei Chris & Stephanie oft geradezu sentimental zu, denn irgendwie ist es dem Duo gelungen, in ihren Songs die persönlichen Elemente auf elegante - und eben romantische Art - mit dem Blues zu verschmelzen. Erstaunlich viele Ida Mae-Songs befassen sich mit dem Thema Liebe - nicht immer in balladesker Form wie bei "Easily In Love", sondern auch mal zupackend wie im Falle von "Sick In Love" und zuweilen auch mal mit klassischen Blues-Themen verquickt wie bei "Love Is Still A Long Road". Grundsätzlich aber ist die Liebe eigentlich stets präsent, selbst wenn es in Tracks wie "My Girl Is A Heartbreak" oder "If You Don't Love Me" um Liebeskummer geht - womit wir dann aber sowieso wieder beim Blues wären. Zum Ende der Show entschuldigte sich Stephanie noch dafür, dass Ida Mae eigentlich keine Zugaben gäben - was Chris dann aber nicht daran hinderte, gleich noch drei weitere Tracks anzustimmen. Keine Frage: Chris Turpin und Stephanie Jean haben mit diesem Ansatz einen Weg gefunden, den Blues auch für jüngere Zeitgenossen attraktiv in die Jetztzeit zu hieven. Kein Wunder also, dass nach der Show praktisch alle Anwesenden anstanden, um sich Autogramme abzuholen. Zweifelsohne werden Ida Mae also wohl bald wieder in der Domstadt aufspielen.

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Surfempfehlung:
idamaemusic.com
www.facebook.com/IDAMAEBAND
www.facebook.com/SonofPolvo
www.youtube.com/watch?v=AeZ2Z-7GPhs
www.youtube.com/watch?v=UblrG2uKyEM
www.youtube.com/watch?v=mtlVSedpIRU
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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