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Konzert-Bericht
 
Lady sings the Blues

Cat Power
Herban Fog

Köln, Live Music Hall
09.07.2019
Cat Power
Also im Grunde genommen hat Chan Marshall auch heute noch kaum regelgerechte Blues-Nummern im Programm - vielleicht mal abgesehen von Stücken wie z.B. dem Titeltrack des aktuellen Albums "Wanderer". Wenn man dann aber weiß, dass sie ein großer Fan von Billie Holiday ist (jahrelang gehörte "Sophisticated Lady" auf jede ihrer Setlists) und dass ihre Shows nicht zuletzt von der jeweiligen Tagesshow abhängig sind und das Konzert in Köln zudem noch unter dem Eindruck des Ablebens eines guten Freundes in der Vorwoche stand, dann ist es schon erklärlich, dass die Show in der Live Music Hall im Wesentlichen zu einer hochemotionalen Blues-Angelegenheit ausartete. Jedenfalls im Vergleich zu den ersten Konzerten, die sie mit ihrer Band im Rahmen der "Wanderer"-Tour gegeben hatte - denn weiland schien sie sich wieder ihren Indie-Roots annähern zu wollen und überraschte dadurch, dass ein Großteil der Shows geradezu rockig dargeboten wurde.
Davon war in Köln nun kaum noch etwas zu vernehmen, denn Chan korrigierte die Setlist gleich mehrfach impulsiv - was dann erstens dazu führte, dass Songs wie "Cross Bone Style" oder "Nude As The News" (die letztes Jahr noch für Druck und Power standen) mit angezogener Handbremse gespielt wurden und beispielsweise das selbst auf der zurückhaltenden LP "Wanderer" erkennbar groovende "Woman" gar nicht auf dem Plan stand. Immerhin machte sich Chan einen Spaß daraus, beim letzten Track (dem erwähnten "Wanderer") den Verstärker ihrer Gitarristin Adeline Jason mehrfach lauter zu drehen. "Ich bin heute etwas langsam drauf", hatte Chan diese vor der Show die eher gedämpfte Herangehensweise andeutungsweise erklärt und führte das zum Abschluss ihres Auftrittes noch erklärend aus: Es gäbe ja nun mal heikle Tage wie diesen. Der Trick sei dann eben, auch solche heiklen Tage anzunehmen und das beste daraus zu machen. Das ist insofern ungewöhnlich, als dass solche heiklen Tage früher bei Chan schon mal zu regelrechten Krisen auf der Bühne geführt hatten. Kurzum: Heutzutage hat sie sich diesbezüglich besser im Griff und die Show in Köln verlief deswegen weitestgehend problemlos und konnte so eine geradezu magische Wirkung entfachen.

Wie schon seit einiger Zeit machte Chan als Performerin deutlich, dass sie nichts von ihrer Position im Rampenlicht hält. Die früher üblichen Pressefotografen suchte man hier ebenso vergeblich wie eigentlich Chan selbst, die sich konsequent im Schatten rechts oder links neben ihren Musikanten herumtrieb oder wenn sie dann mal in der Mitte stand, sich hinter ihren Mikros versteckte und auch gleich zu Anfang der Show das Licht runterdrehen ließ. In dieser Beziehung nähert sie sich also auch weiterhin konsequent ihrem Idol Bob Dylan an. Auch das schadete dann keineswegs der Wirkung der Show, denn letztlich konnte sich das Publikum dadurch ja auch sehr viel besser auf die Musik und die Stimmung einlassen. Ähnlich wie früher ließ Chan die Songs als Medley ineinander übergehen. Nicht, dass das besonders entscheidend war, denn die versierte Band achtete darauf, dass die einzelnen Elemente in einen schlüssigen Flow eingebettet wurde. Und seien wir doch mal ehrlich: Die einzelnen Stücke lassen sich heutzutage ja doch nur noch an den Texten wirklich erkennen, denn musikalisch ist Cat Power ja nach wie vor auf einer "Never Ending Journey", auf der sie den Objekten ihrer Begierde ständig neue musikalische Facetten abgewinnt. Ihren unverwechselbaren Stempel drückt Chan insbesondere den Coverversionen ja sowieso konsequent auf. Dazu gehörten dieses Mal etwa Stücke von Nick Cave, Bobby Bland, Lana Del Rey oder Frank Ocean. Im Medley mit ihrem eigenen Song "In Your Face" geriet dessen "Bad Religion" in einer epischen Version übrigens wieder - wie im letzten Jahr auch schon - zum Zentrum und Anker der Show. Aber eigentlich geraten ja auch Chans eigene Songs im Live Kontext schnell mal zu Coverversionen - wie dann z.B. an Stücken wie "Song To Bobby" oder "Metal Heart" verdeutlichte, die - wie gesagt - nur dank der Lyrics zu erkennen waren - oder aber auch bei der eigenartig souligen Version des alten Tracks "Hate", dem zurückhaltend inszenierten "The Greatest" oder "Manhattan" vom letzten Album "The Sun" (das sie letztes Jahr nicht im Programm hatte und bei dem eine Rhythmusmaschine zum Einsatz kam). Insgesamt boten die Arrangements dieses Mal eher eine psychedelische Note - etwa mit Slide-Gitarren-Einlagen von Adeline Jason, "Unterwasser-Effekten" auf den Keyboards c/o Erik Paparozzi (beispielsweise bei Lana Del Reys "White Mustang"oder einem gelegentlich eingesetzten Synth-Bass). Das - übrigens nach wie vor in jeder Hinsicht gut gemischte - Publikum dankte es ihr mit fast schon liturgisch anmutender, aber letztlich auch durchaus angebrachter Aufmerksamkeit.

Und Chan selbst überzeugte mit einer souveränen, einfühlsamen (und eben im Billie Holidayschen Sinne bluesigen) Gesangsperformance, bei der sie durch den geschickten Einsatz ihrer zwei Mikrofone (von denen das eine mit psychedelischen Effekten belegt war) ihrer Stimme noch mehr Raum gab, als das dieses Mal sparsame Band-Setting eh schon geboten hätte. Kurzum: Eigentlich gab es also unter dem Strich nichts grundsätzlich Neues zu berichten - wobei auf der anderen Seite aufgrund des impulsiven, freistiligen Ansatz, mit dem Chan ihr Oueuvre attackiert, natürlich doch wieder alles neu war. Im Wesentlichen hätte es sich ja also um ein typisches Cat Power-Konzert handeln können - aber zum Glück gibt es ja so etwas gar nicht.

Noch eine kleine Notiz am Rande: Den Support für diese Show leistete Barbara Höffgen aus Bonn unter ihrem neuen Nom de plume Herban Fog. In Köln ist Barbara ja - meistens mit ihrem Projekt Precious Few - ein Stammgast auf den Bühnen der Domstadt. Die Einladung zu diesem Support Slot kam für Barbara dabei wohl so plötzlich (um 12 Uhr am Tag der Show, um genau zu sein), dass sie sich emotional gar nicht darauf vorbereiten konnte. Das führte dann dazu, dass sie ziemlich nervös war und sich gleich bei mehreren Tracks verspielte. ABER: Das Ganze kam dann doch erheblich emotionaler und sympathischer rüber als viele Precious Few-Gigs - einfach deswegen, weil Barbara in ihrem Bemühen, als legitime Nachfolgerin von Nico in die Annalen einzugehen (und trotz Velvet Underground Cover), dieses Mal nicht über das Ziel hinausschoss und ihren Vortrag sympathisch emotional darbot, weswegen ihr man die etwas ungelenke Darbietung durchaus nachsehen konnte. Und überhaupt: Perfektion ist ja sowieso nicht gut genug - und das hat ja auch Chan Marschall schon öfter bewiesen.

Surfempfehlung:
www.catpowermusic.com
www.facebook.com/CatPowerSun
www.facebook.com/herbanfog
www.youtube.com/watch?v=yM5SzQ5dr90
www.youtube.com/watch?v=PJer41O-gRM
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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