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Motten-Pop

Sonars

Köln, Volksgarten
26.06.2019

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Sonars
Genau den richtigen Mix aus New Wave- und E-Pop, Psychedelia, TripHop, Science-Fiction-Feeling und Nachtfalter-Affinität bietet das englisch/italienische Duo Sonars, um einem lauschigen Sommerabend im malerischen Kölner Volksgarten den richtigen Soundtrack zu verpassen. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Starttemperatur von ca. 30 Grad Celsius eigentlich gar nicht so richtig lauschig erscheinen wollte.
Im Rahmen der Secret-Gig Reihe At The B-Sites hatten Frederick Paysden und Serena Oldrati ihr elektronisches Equipment, Gitarre und Bass schon rechtzeitig in einem kleinen Zelt im Wehrgang des sogenannten Rosengartens aufgebaut, um den diffizilen Soundcheck für das anstehende Kopfhörer-Konzert rechtzeitig zu absolvieren, so dass sie sich ungezwungen unter das Publikum mischen konnten, als dieses nach und nach um kurz nach 20 Uhr eintrudelte. Die Sache ist die, dass die Sonars (die übrigens Wert darauf legen, keine "The" Band sein zu wollen) mit "Theatre Of Darkness" nach langer Vorbereitungszeit, etlichen Live-Konzerten und einigen EPs soeben ihr Debütalbum herausgebracht haben, das an diesem Abend dann auch entsprechend präsentiert wurde. Das Cover zeigt dabei eine Motte - was ganz gut passte, denn die Sonars spielten sich im Folgenden dann in die Nacht. Da dieses Album jedoch auf einem italienischen Label erschien, ist es - wie Serena einräumt - ein wenig "tricky" dieses käuflich zu erwerben. Immerhin hatte das Paar das Produkt aber dann zum Verkauf dabei.
Prinzipiell ist das Setting mit Keyboards, Pads, Computern und Sequencern, das die Sonars bevorzugt bemühen, ideal für die Übermittlung mittels Kopfhörer geeignet. Und so wunderte es dann fast auch nicht, dass das einzige technische Problem des Abends ein analoges war: Ausgerechnet als die Sonars ihre aktuelle Single "Love Me Anyway" anstimmen wollten, stellte Frederick fest, dass das Gitarrenkabel - das beim Soundcheck noch funktioniert hatte - einen Wackelkontakt hatte und ausgetauscht werden musste. Serena nutze das, um eine der merkwürdigen Interlüden anzustimmen, die auch die Konserven-Veröffentlichungen zieren (und die auch in Filmen von David Lynch nicht fehl am Platze wären). Aber so ist das halt nun mal bei Live-Musik. Und darum handelt es sich bei den Sonars zweifelsohne - Knöpfchendrücken hin oder her. Denn Frederick und Serena umgehen das Problem der performerischen Sterilität, der sich andere Acts dieser Art ausgesetzt sehen durch verschiedene simple, aber effektive Methoden. Zum einen haben sie ihr Setup nicht nebeneinander aufgebaut, sondern stehen sich bei der Performance gegenüber - können also somit aufeinander reagieren. Dann gibt es ja eben auch die organischen Instrumente (neben der Gitarre und dem Bass ist das noch ein elektronisches Drumpad, das Frederick bedient) und dann ist es auch so, dass sie sich nicht einfach auf die Power ihrer gewiss nicht schlechten Kompositionen verlassen, sondern die Tracks stattdessen in Form ordentlicher Live-Versionen mit z.T. verspieltem Charakter aufbohren. Und: Im Gegensatz zu den meisten produzierten Studiotracks steht der Harmoniegesang des Duos sehr viel stärker im Mittelpunkt - was den Songs dann logischerweise eine durchaus emotionale Note verleiht - auch wenn da Synthie-Läufe und Electro-Beats durchaus die Basis bilden mögen.

Die Tracks selbst sind durchweg melodisch aufgebaut - kommen aber (wie z.B. "Lipstick Dinosaur") auch erstaunlich druckvoll daher (um jetzt nicht gerade das Attribut "rockig" verwenden zu müssen). Ein bisschen erinnert das in seiner fast unerbittlich treibenden Form und auch der Art der ungewöhnlichen Harmonieführung an das, was die Kollegen von Blonde Redhead machen - was insofern interessant ist, als das auch dieses Projekt aus New York mit italienischer Beteiligung entstanden ist. Nach gut einer Stunde - die dann tatsächlich wie im Fluge vergangen war, obwohl alle auf dem Rasen saßen - war die Sache dann auch schon wieder dabei. Aber die Sonars hatten bei dieser Gelegenheit auch ohne "The" gezeigt, dass sie mit diesem Ansatz einen Anspruch auf den nächsten großen Scheiß anmelden.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/sonarsmusic
www.sonarsmusic.com
www.facebook.com/AtTheBSites
www.youtube.com/watch?v=SPHQyXxtLRA
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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