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Zeitloses für den Zeitgeist

Black Sea Dahu

Köln, Die Wohngemeinschaft
26.04.2019

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Black Sea Dahu
So voll war es im Theater der Wohngemeinschaft selten, und das nicht nur, weil der kleine Saal bereits lange im Voraus bis auf den allerletzten Platz ausverkauft ist. Auch auf der Bühne herrscht drangvolle Enge, denn Schweizer Senkrechtstarter Black Sea Dahu sind zu sechst und so bliebt zwischen den Instrumenten kaum noch Platz für die Musikerinnen und Musiker, die an diesem Abend die bunten Klangkaleidoskope ihrer Debüt-LP "White Creatures" erstmals in Köln vorstellen und sich in 80 beeindruckenden Minuten für Größeres empfehlen.
Schnell ist klar: Black Sea Dahu machen Musik am Puls der Zeit. Das Sextett aus Zürich bewegt sich in einer Welt, die immer stärker zu den Extremen neigt, und sein Klangbild, sein Auftreten in der Wohngemeinschaft reflektiert das, wenn Janine Cathrein und die Ihren den Wechsel zwischen schnell und langsam, zwischen laut und leise bewusst inszenieren. Ihr oft schwelgerischer Sound an der Schnittstelle von Folk und Dreampop, der mit Gitarre, Cello, Bass, Keyboards und Minimal-Schlagwerk so handgemacht ist, dass sogar die Samples von einer altmodischen Tonbandmaschine eingespielt werden, hat dennoch einen betont modernen Anstrich.

In den Liedern von "White Creatures" lassen Black Sea Dahu klassische Singer/Songwriter-Werte mit Spotify-kompatiblen Zeitgeist-Gimmicks wie Handclaps oder wortlosen Refrains zusammenfließen, während ihre Frontfrau mit ausdrucksstark warmer Stimme, unterstützt vom Harmoniegesang ihrer Geschwister Vera und Simon, durch poetisch versponnene Coming-of-Age-Texte dem fast ausschließlich aus jungen Damen Anfang 20 bestehenden Publikum aus dem Herzen spricht. Mit mitten aus dem Leben gegriffenen Liedern wie der dahingetupften Solonummer "My Dear" oder Einsichten aus Thomas Meyers Ratgeber "Wäre die Einsamkeit nicht so lehrreich, könnte man glatt daran verzweifeln" holt sie ihre Fans dort ab, wo sie die "adolescent angst" noch voll im Griff hat.

Zu den neuen Liedern gesellen sich einige Nummern des Vorgängerprojekts Josh, etwa das hinreißende "Kingdom North", bei denen das folkig Ursprüngliche etwas stärker in den Vordergrund rückt, ohne dass die Stücke deshalb aus dem Rahmen fallen. Ihr oft schwebender, ja, geradezu hypnotischer Sound verbindet Zeitlosigkeit und Zeitgeist dabei so einnehmend, dass selbst einige technische Probleme die Band nicht aus der Fassung bringen können: Die Aussetzer werden von Janine in Anlehnung an Herrn Rietmann aus den "Nicht lustig"-Comics einfach Alfred, dem freundlichen PA-Geist, zugeschrieben und mit einem Lächeln kurzerhand überspielt.

Die beachtliche Professionalität, mit der Black Sea Dahu zu Werke gehen, ist Trumpf und (einziger) Wermutstropfen zugleich, denn bisweilen hat man ein wenig das Gefühl, dass die sechs etwas zu gut wissen, was sie da tun. Ausführlicher als die kleinen Geschichten zu den Liedern fällt deshalb nur die Präsentation der selbst gefertigten Devotionalien aus, die nach der Show zu Preisen feilgeboten werden, die selbst in Schweizer Franken wehtun würden. Musikalisch ist der vom Publikum begeistert aufgenommene Auftritt dennoch gespickt mit intensiven und intimen Momenten, die in einer vollkommen unplugged am Bühnenrand gespielten Zugabe ihren Höhepunkt finden.

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Surfempfehlung:
www.blackseadahu.com
www.facebook.com/blackseadahu
blackseadahu.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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