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Olympisches Bliss Out

Julia Jacklin
Olympia

Köln, Blue Shell
10.04.2019

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Julia Jacklin
"Mein Name ist Olympia", erklärte die Australierin Olivia Bartley, die sich freundlicherweise bereit erklärt hatte, den Support auf der aktuellen Tour ihrer Landsfrau Julia Jacklin zu übernehmen, "ihr könnt mich im Web finden - aber nur, wenn ihr den magischen Begriff 'Music' hinzunehmt - weil ihr sonst nur Bodybuilder finden werdet." Oder Göttinnen oder Sportveranstaltungen oder Orte oder Asteroiden. Nun ja: Es gehört schon eine gewisse Chuzpe dazu, sich einen Künstlernamen wie Olympia auszusuchen. Chuzpe - bzw. ein gesundes, performerisches Selbstbewusstsein - indes hat Olivia auf jeden Fall. Nonchalant brabbelt sie daher, unterhält sich angeregt mit dem Publikum, kündigt ihre Songs an und versucht, die verquasten Metaphern wie Hunde, Pferdewetten, Rauchzeichen oder Schüsse zu erklären, die sich in ihren Lyrics tummeln - nur um dann resignierend festzustellen, dass ihr "Englisch" (wenn man den australischen Akzent überhaupt so nennen kann) beim Publikum wohl größtenteils ins Leere liefe.
Worum es aber bei Olympia geht: Gerade arbeitet Olivia an einer neuen Scheibe, die im Juni erscheinen soll, von der bislang nur der Titel "Shoot To Forget" offiziell herausgekommen ist. Demzufolge spielte sie hauptsächlich Stücke von ihrem 2016er Debütalbum "Self Talk", auf dem sie ihren sympathisch oldschoolmäßig aufgezogenen Power-Pop mit dezenten Glam- und Artrock-Referenzen bereits in Form gebracht hatte. Olivias Songs sind recht komplex angelegt - auch wenn die hübschen Melodien und knackigen Powerriffs das manchmal vergessen lassen. Jedenfalls hat sie mehr Akkorde in einzelnen Songs versteckt, als manche Bands in ihrer gesamten Karriere. Dazu passte dann auch, dass sie als Zugabe David Bowies "Rock & Roll Suicide" spielte - einen Song, von dem sie einräumte, dass sie ihn selbst gerne geschrieben hätte. Wie auch ihre eigenen Songs, reicherte sie diesen Track dann mit jazzigen Schlenkern und einem eigenwilligen Timing an. Irgendwie gelang es ihr aber, selbst im Solo-Setting die Rock-Qualität ihrer Songs deutlich zu machen - nicht zuletzt, weil sie als Performerin gerne exaltiert an die Grenzen geht. Das war dann schon mal ein cooler Einstand - und passte eigentlich auch ganz gut zu dem, was Julia Jacklin und ihre Band im Folgenden präsentierte.
Denn auch wenn Julia die Show mit einer recht ausladenden Version ihres eher atmosphärisch und kontemplativ angelegten Songs "The Body" einleitete, sollte es im Folgenden ganz gut swingen. Dass das so werden würde, hatte sie ja bereits bei den Interviews zur aktuellen Scheibe "Crushing" angekündigt. Mit den eher zurückhaltenden Songs besonders des Debütalbums hatte das Ganze dann auch nicht mehr viel zu tun - mal abgesehen vielleicht von einigen Solo-Momenten. Das ist aber alles ganz folgerichtig, weil Julia - nach eigener Aussage - erst bei den ersten Live-Shows festgestellt habe, dass ihr das Rockige besonders liege. Mit dem forschen perfomerischen Ansatz einher geht offensichtlich auch ein neu definiertes Selbstverständnis als Performerin. Jedenfalls war Julia bei der Show im Blue Shell deutlich lockerer drauf als auf ihrer letzten Tour, verzichtete vollständig auf den bislang eigentlich bei jeder Show zu beobachtenden, zweifelnd zusammengekniffenen Mund und scherzte auch mal locker mit dem Publikum. "Die neuen Songs haben wir in den idyllischen Mangrove Mountains aufgenommen", erklärte sie etwa, "was recht witzig wäre, wenn ihr den Ort kennen würdet - denn der ist ein rechtes Shithole". Eine reinrassige Rockshow wurde die Veranstaltung dann aber doch nicht - auch weil in Julias Band eine Keyboarderin beschäftigt war und bei den ruhigeren Songs wie "When The Family Flies In" oder "Turn Me Down" dann auch genügend Raum zum Zuhören blieb. Freilich: Zum Ende der Show reihte Julia ihre Rausschmeißer vom Kaliber "Pressure To Party" oder "Head Alone" dann mehr oder minder konsequent - und teilweise mit drei Gitarren gleichzeitig - aneinander, bevor es dann mit nur einer Zugaben-Nummer recht fix zu Ende ging. Kommen wir aber noch zu einem wichtigen Thema: Zwar hatte Julia den Pulli mit dem Schriftzug "Crushing", den sie sich eigens für das Cover der aktuellen Scheibe hatte besticken lassen, zu Hause gelassen - aber keine Julia Jacklin-Tour ohne rätselhaftes Fashion-Statement: Während sie auf der letzten Tour etwa im karierten Miniröckchen aufgetreten war, zierte dieses Mal die Aufschrift "Bliss Out" … ihre Socken. Warum auch immer...

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Surfempfehlung:
www.juliajacklin.com
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www.olympiamusic.com.au
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www.youtube.com/watch?v=8r_yabUAB-U
www.youtube.com/watch?v=0Z3IJT3Ke0Y
www.youtube.com/watch?v=CZFyqzTCt-I
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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