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Auf Liebe und Tod

Tess Parks

Köln, Bumann & Sohn
03.04.2019

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Tess Parks
Bei der Kanadierin Tess Parks kommt man mit Schubladendenken nun nicht wirklich weiter - obwohl sie stilistisch nominell dem Psychedelia-Genre zuzurechnen wäre. Aber alles, was die schmächtige Klangwolkenmischerin musikalisch macht, tut sie nach ganz eigenen - zwar nicht immer durchschaubaren - Regeln. Das letzte, selbstgbetitelte Album etwa, das sie wie auch das Vorgängerwerk "I Declare Nothing" mit Antony Newcombe vom Brian Jonestown Massacre produzierte und im Herbst letzten Jahres veröffentlichte, kam bei uns zum Beispiel offiziell gar nicht heraus. Dass das Kölner Bumann & Sohn dennoch bis auf den letzten Platz gefüllt war, als Tess ihre Europatournee in der Domstadt startete, spricht dafür, dass sie bei ihrem letzten Besuch im Kölner Luxor zumindest einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.
Musikalisch spielen aktuelle Veröffentlichungen im Falle von Tess Parks aber eh nur eine untergeordnete Rolle, denn in eigentlich all ihren Projekten - sei es solo, mit Newcomb oder als Gast bei dem Brian Jonestown Massacre, The Auras, The Third Sound oder Velvet Morning verfolgt sie eine glasklare Vision - wie sich auch bei der Show im Bumann & Sohn zeigte. Tatsächlich ließe sich sagen, dass Tess Parks eigentlich nur einen Song drauf hat, den sie - in Variationen - konsequent, aber auf vielfältige Weise variiert auslebt. Freilich: Was bei anderen sicherlich eine Art Todesurteil sein dürfte, ist bei Tess Parks ehe eine raison d'être - denn schlüssiger und geradlinigier hat schon lange niemand mehr sein Konzept verfolgt.

Worum geht es? Nun - zumindest auf der Bühne - um psychedelische Rockmusik ohne Wenn und Aber. Dabei macht Tess Parks aber vieles, was andere Acts, die dieses Terrain beackern, falsch machen, genau richtig. Beispielweise verzichtet sie vollständig auf Krautrock-Elemente, mit denen andere Psychedelia Acts ihre ausufernden Jam-Sessions rechtfertigen. Demzufolge gibt es bei Tess Parks auch keine ausufernden Jam Sessions. Vielleicht zwei, oder drei Mal leistet sich die Band den Luxus, Solo-Partien in die Songwände einzuflechten - ansonsten bleibt alles im überschaubaren Rocksong-Format; auch deswegen, weil Tess - anders als bei den Studioaufnahmen - auf der Bühne auf akustische Gitarren verzichtet. Dafür sorgt dann ein Keyboarder mit Orgel und (echtem) digitalem Mellotron für Dream-Pop und Shoegaze-Klangwolken, die es in sich haben. Des (dankenswerterweise spärlich eingesetzten) Kunstnebels hätte es eigentlich gar nicht mehr bedurft. Nahezu alle Parks-Tracks basieren im Wesentlichen auf ein paar sich mantraartig wiederholenden, hypnotischen Rock-Riffs und -Grooves, über denen dann Tess' ätherische Vocals schweben. Das hindert sie freilich nicht, mit Melodien zu flirten wie sonst kaum jemand in diesem Geschäft. Das liegt zum einen daran, dass sich Tess jeweils die richtigen Riffs und Grooves zurechtlegt und der möglicherweise drohenden Monotonie durch richtiges Timing eine kalkulierte (und sich teilweise zur Extase steigernde) Unerbittlichkeit gegenüber stellt, mittels derer sie sich - und das Publikum - in eine Art Trancezustand versetzt. Das funktioniert nicht nur bei potentiellen Rocksongs wie "Please Never Die" vom letzten Album, sondern auch bei Slowcore-Drones wie "Voyage de l'ame", "Mama" oder "German Tangerine" vom vorletzten Werk und dem musikalischen Mantra "I Live". Das internationale Namedropping - auch mit deutschen Titeln wie der Zugabe "Grunewald" oder "Wehmut" und "Die neue Welt" ist eher ein Gag, denn sprechen tut Tess weder Deutsch noch Französisch.

"Es gibt ja heute ein Thema", erklärt Tess in einer ihrer seltsam kryptischen Ansagen und erzählt dann etwas von der allumfassenden Kraft der Liebe und dem Tod als einziger Alternative dazu. Das spirituelle Wohlergehen des Publikums, dem sie nahelegt, sich doch am Besten jemanden zu suchen und engumschlungen zu ihrer Musik zu tanzen - und dabei womöglich einen Seelenpartner zu finden - liegt ihr dabei ebenso am Herzen, wie das leibliche: Nach der Show lief Tess mit einem Teller voller Kekse im Auditorium herum und fütterte jene Fans, denen sie nicht zuvor von der Bühne herunter bereits vertrocknete Rosen oder Vodka Shots gereicht hatte. "Life Is But A Dream" heißt ein mitten im Set gespielter, älterer Track vom 2013er Debüt-Album "Blood Hot" (das eigentlich ausverkauft ist und vor Ort als LP für schlappe 60 € angeboten wurde). Mit diesem Album handelte sich Tess übrigens die Vergleiche mit Hope Sandoval und Mazzy Star ein, die sie bis heute verfolgen. Auch wenn dieser Slowcore-Drone in Köln natürlich im schmirgelnden Rockmodus gespielt wurde und der Gesang zwar verhallt, aber nicht ganz so flimsy rüberkam wie auf der Studiofassung, fasste dieses Stück die Stimmung der Show auf und vor der Bühne an diesem Abend dann vielleicht auch am Besten zusammen, denn da schwebte alles friedfertig und versöhnlich vor sich hin.

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Surfempfehlung:
www.facebook.com/tessparksmusic
www.tessparks.com
www.youtube.com/watch?v=TvrkKZ1HZzY
www.youtube.com/watch?v=tlCzyxjtxU8
www.youtube.com/watch?v=hU6eOseetBQ
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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