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Konzert-Bericht
 
Klangtherapie

Tom Liwa

Düsseldorf, Praxis für Sprachtherapie Juchems/Berg
19.01.2019
Tom Liwa
Tom Liwa und die Initiative Lama Musik - das passt gut zusammen. Der eine macht seit Jahren mit teils famosen, teils kuriosen Ideen praktisch jedes seiner Konzerte zum Unikat, die anderen finden für ihre Veranstaltungen immer wieder Locations abseits der ausgetrampelten Pfade. Zum "Geheimkonzert" des aus Duisburg stammenden Barden (der Auftritt war weder auf Liwas Homepage noch auf der Facebook-Seite seiner Band Flowerpornoes kommuniziert worden) haben die Lamas in die Praxis für Sprachtherapie Juchems/Berg in Düsseldorf-Lierenfeld geladen: Nicht nur ein guter Ort für ein intimes Konzert, sondern auch der perfekte Rahmen für die "therapeutischen Einzelgespräche", die Liwa seinem Publikum seit Jahren augenzwinkernd nach Konzertende anbietet. Die Szenerie des Auftritts erinnert derweil ein wenig an The Cures "MTV Unplugged". Ohne Verstärker oder Mikrofon sitzt Tom Liwa tiefenentspannt zwischen seinen Gitarrenkoffern auf dem bunten Schachbrettmusterteppich der Praxis, nur sein Border-Collie Emmi sorgt auf der Suche nach einem Spielgefährten für ein bisschen Bewegung.
Tom Liwa
"Ich könnte jetzt schreiben: Tom Liwa wird Stücke aus seinem aktuellen und sehr guten Album 'Ganz normale Songs' spielen. Wahrscheinlicher ist aber, dass Tom einfach die Songs spielen wird, auf die er spontan Bock hat. Lassen wir uns also überraschen", haben die Veranstalter in der Ankündigung des Abends geschrieben, und genau so kommt es dann auch. Liwas aktuelle Platte "Ganz normale Songs" ist vielleicht der Aufhänger für den Auftritt, tatsächlich streift er die Songs des Albums aber nur am Rande. Viel lieber stürzt er sich, gut warmgespielt durch die derzeit laufenden Proben für Oscar Wildes "Salome" am Theater Oberhausen, für das er die Musik beisteuert, in Songs, die man von ihm noch nie oder zumindest schon länger nicht mehr gehört hat und gewährt ganz am Ende sogar einen kurzen Einblick in die gerade neu entstandene Theatermusik. Konzentriert und aufgeräumt wirkt er dabei trotz langer Monologe über Geheimauftritte in Hotelzimmern in Oldenburg oder zur Entstehung des Beifalls und spielt gerade zu Beginn des Konzerts auch öfter mit der Phrasierung - vielleicht, weil auch er sich erst noch in den Mikrofon- und stromlosen Auftritt einfinden muss.
Tom Liwa
"Ich habe mich vorbereitet, denn ich dachte, in einer Logopädie-Praxis, da spielt man Jazz-Standards", sagt Liwa ohne mit der Wimper zu zucken zur Begrüßung. Tatsächlich beginnt er mit "My Funny Valentine" und "Let's Get Lost" leise und wie dahingetupft, ein drittes durch Chet Baker unsterblich gemachtes Lied ("I Fall In Love Too Easily") spielt er in der Zugabe. Ein Schelm, wer daraus Parallelen zu Liwas Privatleben ableiten will! "Den nächsten Jazz-Standard" habe ich selbst geschrieben", sagt er über das dritte Lied des Abends, "Väinämöinen", fügt dann aber noch schnell hinzu: "Danach spiele ich dann 'Ganz normale Songs'". Das ist nicht gelogen, besonders bemerkenswert sind dennoch die Rückgriffe auf sein Frühwerk als Solist, für die er zur Takamine-Gitarre greift, um die traurigen Texte der alten Lieder mit der hellen Klangfarbe des Instruments auszugleichen. Dass die eher düster gestimmten Stücke älter sind, freut ihn sichtlich: "Das gibt ja Anlass zur Hoffnung", sagt er grinsend, bevor er mit "Gib ihnen was sie wollen" und "Julianastraat" begeistert, obgleich er bei Letzterem die Strophen ordentlich durcheinanderwürfelt. Als "Entschädigung" gibt es gleich danach Neil Youngs "Harvest" zu hören (Ganz so falsch, das sei nebenbei bemerkt, scheint er bei Neil also doch nicht zu sein).

Zwischen dem relaxt-tiefgründigen "Schuld" und dem poppigen Drive von "Federkleid" deckt Liwa ohne großen Aufwand ein breites Spektrum ab und sorgt so, den Blick zuversichtlich nach vorn gerichtet, trotz des minimalistischen Settings für ein beachtlich komplettes Konzerterlebnis.

Surfempfehlung:
www.tomliwa.de
www.facebook.com/TomLiwaMusik
Text: -Simon Mahler-
Fotos: -Simon Mahler-


 
 

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