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Et kütt wie et kütt!

Lera Lynn

Köln, Blue Shell
04.12.2018

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Lera Lynn
Der Plan hatte es in sich: Bei ihrem Debüt in der Domstadt wollte Lera Lynn aus Nashville die Kölner Ureinwohner mit ausgewählten Kolloquialismen für sich einnehmen. Anstatt es also ihrem Partner, Todd Lombardo, gleichzutun und in der Stadt herumzuspazieren, studierte sie zunächst die lokalen Brauhaustraditionen (wobei sie damit überraschte, dass sie die Reissdorf-Kölsch bereits als Importbier in einer Nashviller Kneipe kennengelernt hatte) und ließ sich dann einige typisch Kölsche Lebensweisheiten wie "Et kütt wie et kütt" ("Es kommt wie es kommt"), "Et hätt noch immer jot jejange" ("Es ist noch immer gut gegangen") oder "Jede Jeck is anders" ("Jeder Narr hat seine Eigenarten") erläutern und lernte diese phonetisch erstaunlich erfolgreich auswendig. Diese wollte sie dann zwischen den Stücken nonchalant einfließen lassen. Leider funktionierte der Plan nicht so besonders gut, denn einerseits waren viele der Fans, die sich im gut gefüllten Blue Shell Club versammelten, gar nicht aus Köln (und wussten ergo gar nicht, was Lera diesbezüglich wollte) und dann erwartet man so etwas ja auch nicht von einer US-amerikanischen Songwriterin aus dem Süden der USA. Es blieb dann also bei einem halbherzig eingestreuten "Ett kütt wie et kütt". Aber - ehrlich gesagt - war das Ganze auch vollkommen unnötig, denn Lera Lynn gehört zu jener Spezies von Performerinnen, die über eine systemimammanente Coolness und eine beeindruckend selbstsichere Bühnenpräsenz verfügen. Besondere Überzeugungsarbeit musste sie also eigentlich auch gar nicht leisten. Stattdessen konnte sie sich voll und ganz auf ihre Stimme und das ausgezeichnete Songmaterial verlassen.
Aber wer war gleich noch mal Lera Lynn? Nun - einen Hinweis gab sie selber, als sie fragte, ob der eine oder andere vielleicht wegen der Fernsehserie "True Detective" gekommen sei. In der von T-Bone Burnett musikalisch kuratierten zweiten Staffel der Serie hatte Lera Lynn nämlich weiland eine wiederkehrende Rolle als einsame Barsängerin, die im Hintergrund ihre Americana-Noir Balladen vortrug, während im Vordergrund die Serienhelden ihre Deals aushandelten. Einen dieser Songs - "My Least Favorite Life" - ließ sie demzufolge auch in ihr Programm einfließen. Freilich hat Lera Lynn deutlich mehr zu bieten als Bit-Parts in Fernsehserien. So etwa die Songs ihres aktuellen Albums "Plays Well With Others". Dieses ist eine Sammlung von Duetten und Co-Writes mit diversen Kollegen (wie z.B. Dylan LeBlanc, JD McPherson oder Andrew Combs) - die freilich an diesem Abend allesamt von Todd Lombardo gespielt werden mussten; bis hin zu Nicole Atkins, deren Part in dem Song "In Another Life" er dann bereitwillig interpretierte. (Hier hätte eigentlich ganz gut der Spruch "Jeder Jeck is anders" gepasst.) Dann waren da die Tracks von Leras bisherigen LPs "The Avenues", "Have You Met Lera Lynn" und "Resistor" - wobei sie sich musikalisch bis zu ihren Country-Roots zurückerinnerte und Songs wie "Whiskey" oder "Bobby Baby" präsentierte. Dann gab es da die Cover-Versionen á la Bruce Springsteens "Fire": "Habt keine Sorge - es gibt kein Saxophon", scherzte Lera bei dieser Gelegenheit. Oder das auf der LP mit der Band Shovels & Rope vorgetragene "Wolf Like Me", das im Original von TV On The Radio stammt. Und letztlich brillierte Lera auch noch mit neuen Songs wie zum Beispiel dem brillanten "Daydreamer" - einer jazzigen Ballade, die sie zusammen mit Todd Lombardo geschrieben hatte.
Natürlich kamen die Songs im Duo-Format in einer vollkommen anderen Art zur Geltung als etwa bei den voll orchestrierten Studio-Aufnahmen - allerdings ist Lera Lynn keine klassische Folksängerin, sondern setzt auch in diesem Setting eher auf die rockigen Aspekte ihres Tuns und ihr beeindruckendes Effektpedal. Entweder indem Tracks wie "Breakdown" schlicht als Rocknummern inszeniert werden oder aber indem die Tracks mit Todds elektrischen Gitarrensoli - die zuweilen durchaus in Duelle mit Lera ausarten konnten - den notwendigen Nachdruck verliehen bekamen. Lera und Todd hatten sich alle Mühe gegeben, beim Soundcheck den Klang der verschiedenen Gitarren und der Stimmen detailgerecht auszutarieren - und das machte sich dann durch einen transparenten, vielschichtigen Soundmix bemerkbar, in dem nun wirklich jedes Detail zu hören war. Abgerundet wurde dieser Soundmix durch ein paar eingesteuerte Drumloops bzw. Leras sparsamen Einsatz eines Kickboards. "Ich habe eine ziemlich gute Kontrolle über meine Stimme - noch nicht aber über meinen Fuß, denn das ist neu in unserem Soundmix", hatte sie beim Soundcheck noch gewitzelt. Freilich war bezüglich des Kickboards gar kein Makel festzustellen - und was Leras Gesang betrifft, so ließe sich sagen, dass es dieses Jahr wohl niemandem mehr gelingen dürfte, ähnlich schön, klar und frei jeglicher aufgesetzter Manierismen zu singen. "Ich würde ja gerne noch länger hierbleiben", erklärte Lera zum Schluss des Konzertes erleichtert dem begeisterten Publikum, "denn ihr seid alle so nett." Im Vorfeld hatte Lera nämlich die Ungewissheit geplagt, wie denn wohl der Zuspruch des für sie neuen Publikums sein würde. Doch dazu ließe sich sagen: "Et hätt noch immer jot jejange."



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www.leralynn.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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