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Robots get colds, too

Dan Mangan
Laura Gibson

Köln, Gebäude 9
11.11.2018

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Dan Mangan
"Ist schon Weihnachtsmarkt bei euch? Oder feiert ihr gerade Karneval?", fragte Laura Gibson bei ihrem Konzert am 11.11.18 im Kölner Gebäude 9. Das war eine durchaus berechtigte Frage, denn praktisch die ganze Innenstadt war durch entsprechende Festivitäten sowohl weihnachtsmarkttechnisch wie auch sessionsbedingt von der Karnevalsseite her dicht. Ein Glück also, dass das Gebäude 9 im auf der anderen Rheinseite, Abseits vom Trubel gelegenen Stadtteil Deutz liegt. "Danke, dass ihr heute unseren Karneval mitfeiert", erklärte Laura dann auch, als sie sich entsprechend rückversichert hatte.
Die Sache ist dabei die: Eigentlich hatten Laura Gibson und Dan Mangan zuvor gar nicht so viel miteinander zu tun - außer, dass die Amerikanerin aus Portland, Oregon und der Kanadier Dan Mangan seit einiger Zeit Labelmates auf dem Berliner City Slang-Label sind. Da es heutzutage ja auch nicht einfacher ist, eine Übersee-Tour zu finanzieren und die beiden aktuellen Scheiben - "Goners" von Laura Gibson und "More Or Less" von Dan Mangan - auch ungefähr zur selben Zeit bei uns erschienen sind, kam man dann auf die Idee, die gemeinsamen Pfunde in die Waagschale zu werfen und zusammen auf Tour zu gehen. Dadurch ergaben sich dann auch gewisse Synergie-Effekte: So spielten Laura und Dan mit derselben Band und man lernte das gegenseitige Repertoire auf diese Weise schließlich auch besser kennen und schätzen. Und zuguterletzt gab es dann auch noch eine gemeinsam einstudierte Zugabe - ein folkiges Cover des Songs "Hang With Me" der gemeinsame verehrten E-Pop-Künstlerin Robyn.
Laura Gibson hatte im Vorfeld überlegt, wie sie die vielschichtigen Arrangements der aktuellen LP "Goners" (die in Gänze gegeben wurde) auf der Bühne am Besten umsetzen könnte und war dann auf die Idee verfallen, anstelle der gewohnten Akustikgitarre hauptsächlich mit Keyboards und einem Sampler zu hantieren. Der elegischen Qualität des Materials kam das natürlich entgegen - auch wenn es bedeutete, dass sich Laura selbst ungewohnt oft vom Publikum abwenden musste. Nicht, dass ihr das etwas ausgemacht hätte, denn eine regelrechte Rampensau war Laura schließlich sowieso noch nie. Ganz im Gegenteil, ihre fast schon berüchtigte Schüchternheit brach sich bei dieser Show insofern Bahn, als dass ihre Vocals noch fragender, zögernder und sogar verzagter rüberkamen, als sonst schon. Freilich: Dem inhaltlich von Selbstzweifeln und den großen Lebensfragen wie Tod und Vergänglichkeit geprägtem Material der neuen Scheibe kam auch das nicht ungelegen. Insbesondere der Umstand, dass Laura das Setting nicht als Gimmick missbrauchte, sondern stattdessen die lyrische Schönheit und melodiöse Präsenz der neuen Songs herausarbeitete und betonte, machte sich angenehm bemerkbar. Auch die Tatsache, dass sie nach längerer Zeit wieder mal mit einer Band in unseren Breiten unterwegs war, gefiel insofern, als dass so mehr Schwung und Swing ins Geschehen kam, als erwartet. Nicht nur aber besonders bei eh schon lebhafteren Nummern wie "Not Harmless" vom letzten Album "Empire Builder" für die sie fast eigens eine E-Gitarre mitgebracht hätte, wie sie sagte - bevor sie dann gesehen hatte, wie Willie Nelson Distortion auf eine akustische Gitarre gelegt habe - was sich ja auch cool anhöre. Insgesamt war das eine sehr schöne Laura Gibson-Show - vor allen Dingen, weil sie so anders war, als das, was man von ihr bei ihren Solo-Auftritten gewohnt ist.

"Also ich muss mal gerade etwas ansagen", begrüßte Dan Mangan dann schließlich das Publikum, "ich habe mir in England eine tierische Erkältung zugezogen und wenn ich einfach weitermachte wie bisher, dann könnte ich irgendwann gar nicht mehr singen, hat mein Arzt gemeint. Laut zu spielen, wie das manchmal meine Art ist, ist einfach nicht drin. Deswegen gibt es heute eine relativ leise Show." Dass Dan dann im folgenden ausgerechnet seinen Song "Cold In The Summer" vortrug, zeugte vom bodenständigen Humor des Troubadours, den er sich natürlich auch im angeschlagenen Zustand nicht nehmen ließ. So trank Dan etwa seinen Ingwer-Tee aus einer 11-Freunde-Tasse. "Das heißt 'Freunde', richtig?" fragte er darauf ins Publikum, "klasse, das heißt ja, dass ich 11 Freunde habe." "Das ist nur der Name eine Fußballzeitung", rief ein Besserwisser aus dem Publikum zu ihm rauf. "Nein", korrigierte Dan diesen Menschen bestimmt, "das bedeutet, dass ich 11 Freunde habe."

In der Tat war das im Vergleich dann wieder eine Dan Mangan-Show, die eher ruhig war - und bei der auch die elektronischen Elemente, die er zuletzt gerne in seine Studioaufnahmen einbaut, nur eine untergeordnete Rolle spielte (wie etwa bei dem Song "Lay Low"). Stattdessen erlebten die Fans einen Dan Mangan, wie man ihn noch vom Anfang seiner Laufbahn als eher konventioneller Barde gewohnt war. Nicht, dass das irgend jemand gestört hätte - auch und vor allen Dingen, weil man so wieder mal in den Genuss klassischer Mangan-Balladen kommen konnte. Stimmlich klappte die Sache so gerade eben noch. Mehr als ein Mal drohten Dans Stimmbänder nämlich den Dienst zu versagen - was er jedoch mit der geminderten Lautstärke und der Zufuhr des Ingwer-Tees verhindern konnte. Und man konnte ja auch mal das Publikum für sich arbeiten lassen und zum Mitsingen bewegen - wie etwa bei dem Wunschtitel "Basket". "Normalerweise wird der Song am Ende immer lauter und endet in einem Crescendo", erklärte Dan, "das wird heute aber nicht passieren." Brauchte es ja auch nicht, da der Track auch als Ballade funktioniert. Auch auf die Texte - wie z.B. dem politisch motivierten Track "Just Fear", den Dan kurz nach den US-Wahlen geschrieben hatte - hörte man in diesem Setting natürlich aufmerksamer zu. Und dann waren da ja auch noch die Robots. Seinen Mitsing-Klassiker "Robots Need Love, Too" ließ sich Dan Mangan natürlich auch nicht nehmen und trug diesen - mit Unterstützung des Publikums-Chors - wie gewohnt am vorderen Bühnenrand balancierend vor. Und zur letzten Zugabe kletterte dann die ganze Band ins Auditorium und trug "So Much For Everyone" - wieder mit dem Publikum - dann akustisch aus der Mitte des Raumes vor. Anschließend standen Dan und Laura den Fans noch für allerlei Schabernack zur Verfügung - nur gesprochen wurde seitens Dans hier dann nichts mehr.

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Surfempfehlung:
danmanganmusic.com
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www.lauragibsonmusic.com
www.facebook.com/lauragibsonmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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