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Retour aux racines - zurück zu den Wurzeln

Coeur de Pirate

Köln, Kantine
07.11.2018

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Coeur de Pirate
Das Konzert, das Béatrice Martin zusammen mit ihrer Band in der ausverkauften Kölner Kantine gab, war das letzte auf der von Gaesteliste.de präsentierten Tour - was dann dazu führte, dass Béatrice etwas müde war; aber nicht zu sehr, wie sie selbst meinte. Wer die Gute nun ein wenig kennt, der weiß dann, dass das dazu führen kann, dass sie ein wenig mürrisch rüberkommt. Das war dann auch in Köln der Fall, so dass zumindest der Anfang der Show etwas zäh anlief; wohl auch, weil es da Probleme mit den In-Ear Monitoren gab, die Béatrice bevorzugt.
Nicht allerdings musikalisch, denn da setzte Béatrice von vorneherein auf die Power-Pop-Songs ihres Repertoires - etwa à la "Combustible" -, von denen sich auch so einige auf dem aktuellen Album "En cas de tempête, se jardin sera fermé" befinden, auf dem sich Béatrice inhaltlich ja mit ihren Dämonen auseinandersetzt. Sie änderte sogar spontan die Setlist und beendete die Show mit Up-Tempo-Nummern anstatt mit den geplanten melancholischen Balladen. Nun ist die Sache aber die, dass der Charme des Projektes Coeur de Pirate ja gerade in den Widersprüchen zwischen der fröhlich und eher unbedarft dahinswingenden Musik und den nachdenklich/melancholischen, ernsthaften Inhalten begründet liegt. Das macht Béatrice sogar zum Prinzip. Je fröhlicher ein Song also musikalisch daher kommt, desto ernsthafter geht es mutmaßlich inhaltlich zu. Wie zum Beispiel im Falle des Songs "Amour d'un soir", in dem es um einen aus dem Ruder gelaufenen One Night Stand geht, den Béatrice aber im Stile eines fröhlichen 60s Popsongs mit Tango-Touch inszenierte (weil sich im Tango die Spannungen einer Beziehung am Besten visualisieren lassen). Das ist dann ihre Art, den Widrigkeiten des Lebens den Stinkefinger zu zeigen.

Musikalisch ging die Reise dieses Mal zurück zu den Wurzeln. Bis auf zwei Tracks blieb Béatrice bei ihren französischsprachigen Songs. Das auf dem Album "Roses" angetestete Experiment mit englischsprachigem Pop ist erst mal zu den Akten gelegt worden. Das heißt aber nicht, dass Coeur de Pirate einfach dort weitermacht, wo sie vor zehn Jahren dereinst anfing. Denn - und auch das ist Béatrice klar: So einfach zur Vergangenheit zurückkehren kann man schließlich gar nicht, da die Vergangenheit in der Erinnerung sich zu einer idealisierten Illusion verklärt. Auf die Musik übertragen heißt das konkret, dass die früher vorhandenen Folkpop-Roots gestrichen und in der aktuellen Inkarnation durch eine Art New-Wave-Power-Pop-Setting ersetzt wurden. Zumindest bei den Stücken, bei denen Béatrice nicht am Piano sitzt, lässt sie ihren Musikern dabei heutzutage durchaus auch Raum, sich mal ein wenig auszutoben und sogar mal ein Rocksolo einfließen zu lassen - beispielsweise in dem Song "Malade", der dann nahtlos in das Chris Isaak-Cover "Wicked Game" überging. Die Wahl dieses Stückes als Coverversion ist im Falle von Coeur de Pirate übrigens interessant, da sie bisher stets ein ganz anderes Stück mit ähnlichem Namen - "Wicked Games" von The Weeknd - im Programm hatte.

Im zweiten Teil der Show und insbesondere zum Ende hin taute Béatrice dann schließlich auch allmählich auf und zeigte zumindest ansatzweise jene Leichtigkeit, die sie ansonsten bei Konzerten vor einem muttersprachlichen Franko-Publikum demonstriert (und auch bei ihrer letzten Show in Köln vor zwei Jahren zeigte). In der Kantine, wo sich hauptsächlich deutsche und holländische Fans vor der Bühne drängten, war das nicht ganz so einfach. Hier flirtete sie dann wechselseitig auf Englisch und Französisch mit dem Publikum, erzählte die kleinen Geschichten hinter und Witzchen zu ihren Songs und schaffte es dann auch, das Publikum für ihren Hit "Comme des Enfants" als Chor zu animieren (während etwa in Frankreich jeder sich bietende Song mitgesungen wird). Insgesamt dürfte Béatrice diese Show dann wohl eher als Arbeitssieg auf der Habenseite verbucht haben. Der ganz große Glanz fehlte dieses Mal - was sicher auch daran lag, dass es (bis auf ein wenig Kunstnebel) ganz ohne Effekte, Kostüme, Lightshow, einstudierter Choreografie oder Support-Act gehen musste. Den Fans dürfte das egal gewesen sein, denn so bekamen sie schließlich Coeur de Pirate unverblümt, geradlinig und in Reinkultur geboten.

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Surfempfehlung:
www.coeurdepirate.com
www.facebook.com/coeurdepirate.officiel
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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