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Red Bull Hickey Rock

Snail Mail
Sasami

Köln, Luxor
05.11.2018

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Snail Mail
Die Sache fing damit an, dass lange bevor die Türen des altehrwürdigen Luxor öffneten, in das die Show von Snail Mail aufgrund der großen Nachfrage hochverlegt worden war, eine Schar gut gelaunter, plappernder Schulkinder ungehindert in den Club strömte, während die Fans draußen bleiben mussten. Was war da los? Nun, bei der Schar gut gelaunter, plappernder Schulkinder handelte es sich schlicht um Lindsey Jordan alias Snail Mail, ihre Freundin Sasami, die sie auf der Tour als Support begleitete und ihre Musiker - die allesamt aussahen, als hätten sie das Nachsitzen für den Besuch des Konzertes am Abend geschwänzt. Nun ja: Die Indie-Ikonen von heute verplempern nun wirklich keine Zeit mehr damit, erwachsen zu werden, bevor sie die Welt mit ihren frühgeborenen Lebensweisheiten in Liedform beglücken.
Sasami Ashworth ist trotz des jugendlichen Alters schon seit 2012 im Geschäft. Sie arbeitete zunächst als Film- und Werbekomponistin, Arrangeurin und Musiklehrerin, schloss sich dann der Indie-Band Cherry Glazier als Keyboarderin an und beschloss dann, es solo als Indie-Rock-Künstlerin zu versuchen. Mittlerweile ist sie auch beim renommierten Domino-Label gelandet, hat allerdings bis auf eine Single noch nichts veröffentlicht. "Lindsey und ich haben gerade hinter der Bühne Red Bull getrunken", entschuldigte sie ihr hektisches Gehabe sozusagen nach dem ersten Stück, "davon bin ich noch ganz zittrig." Nun: So ganz pur mag das Getränk dann wohl nicht gewesen sein, denn Sasami übertrieb es dann doch ein wenig mit ihren Rockstar-Histrionics. So zappelte sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit wie ein Zitteraal über die Bühne, verzog das Gesicht zu wilden Grimassen, spuckte mit Wasser in Richtung der am Bühnenrand verharrenden Kollegin Lindsey und lieferte sich mit dieser angeregte Diskussionsrunden - etwa zum Thema Knutschflecken in Form von Smileys. Freilich: Das Gezappel passte ganz gut zu der Musik von Sasami, die diese im Trio-Format als Agit-Indie-New-Wave-Rockerin zeigte. Besonders filigran fiel das natürlich nicht aus und auch als Sängerin überzeugte Sasami nur in überschaubarem Rahmen - weil es ihr einfach nicht gelingen wollte, eine wie auch immer angepeilte Tonhöhe halten zu können. Als Gesamtpaket überzeugt das Ganze jedoch als wüstes Rock-Gören-Lehrstück.
Dass Lindsey und Sasami gute Freundinnen sind, hatten sie ja schon im Vorfeld bewiesen. Witzig ist in diesem Zusammenhang, dass sie auch mit einer ähnlichen Attitüde an die Sache herangehen. Lindsey Jordan a.k.a. Snail Mail ist dabei allerdings grundsätzlich eher am klassischen Schrammelpop als an spröden Power Chords interessiert. Wie Sasami hat allerdings auch sie Schwierigkeiten, ihre mäandernde Sirenen-Press-Stimme steuern zu können. Allerdings hat sie aus dieser Schwäche einfach eine Stärke gemacht, indem sie das unstete Umschiffen aller geordneten tonalen Sortierungen mit viel Power und lamentösem Einschlag zu ihrem Markenzeichen gemacht hat. Das hat zweierlei zur Folge: Alle Tracks kommen auf demselben Energielevel daher - auch die "Balladen", die sich somit nur vom Tempo her von den anderen Stücken absetzen. Und alle Melodie-Ansätze gehen im allgemeinen Getümmel verloren. Das hängt auch damit zusammen, dass Lindsey als Songwriterin eher an Strukturen als an Melodien interessiert ist und dass das Sounddesign - eben im Gegensatz zu den vertrackten Songstrukturen - dementsprechend linear aufgebaut ist. Zwar verwendet Lindsey ungewöhnlich viel Zeit darauf, ihre Gitarre immer wieder nachzustimmen, bemerkbar macht sich das aber deswegen nicht, weil der ständige Schrammelmodus dazu führt, dass meistens doch alle Saiten mitklingen, so dass das Ganze - trotz aller Akkordwechsel - eher monoton anmutet. Dabei wäre es unfair zu behaupten, dass die Gute nicht gut genug Gitarre spielen könne; denn insbesondere in den verspielten Intros zu ihren Songs zeigte sie durchaus wieselflinke und filigrane virtuose Qualitäten. Letztlich führte das alles zusammen dazu, dass die einzelnen Tracks kaum auseinanderzuhalten sind. Sicherlich: Die begeisterten Fans werden das anders sehen, aber musikalische Vielfalt ist gewiss nicht der ausschlaggebende Grund dafür, warum Snail Mail so erfolgreich ist. Ob ihr selbst dieser Umstand bewusst ist, darf angezweifelt werden, denn sie selbst scheint regelrecht begeistert von ihrem Tun - was sich durch eine expressive Bühnenshow äußert, die der von Sasami in Sachen nervöser Hektik nur wenig nachstand. Immerhin: Zum Ende des Sets hin wurde die Sache etwas ruhiger, als Lindsey einige Tracks - darunter auch das Courtney Love-Cover "2nd Most Beautiful Girl In The World" solo vortrug, bevor es dann als einzige Zugabe mit "Static Buzz" einen weiteren Nicht-LP-Tracks gab, mit denen Lindsey das Programm abrundete.

Vermutlich wird es ja das letzte Mal gewesen sein, dass man die Gute bei ihrer ersten ausverkauften Deutschland-Show im überschaubaren Rahmen zu Gesicht bekommen haben dürfte. Was allerdings den Hype um das Projekt Snail Mail in musikalischer Hinsicht rechtfertigt, wurde bei dieser Gelegenheit noch nicht so recht deutlich.

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Surfempfehlung:
www.snailmail.band
www.facebook.com/snailmailband
www.sasamiashworth.com
www.facebook.com/SASAMIASHWORTH
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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