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Konzert-Bericht
 
Lehrreiche Spurensuche

Ryan Lee Crosby
Blind Joe Black & The Black Lungs

Essen, Sprachenwerkstatt Kettwig
28.10.2018

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Ryan lee Crosby
"Musician and Teacher" - so beschreibt sich Ryan Lee Crosby selbst auf seiner Website. Bei seinem feinen Gastspiel im Herzen des Ruhrgebiets zeigt sich schnell, wie treffend das ist: Der sympathische amerikanische Musikenthusiast überzeugt an diesem Sonntagabend nämlich nicht nur als (Slide-)Gitarrist und Sänger, sondern auch als Storyteller, der - ähnlich wie sein Seelenverwandter Geoff Farina - mehr zu erzählen hat als nur die Geschichten hinter seinen Songtexten. In der heimeligen Fachwerk-Atmosphäre der speziell für diesen Auftritt von der Sprachschule zum Konzertsaal umfunktionierten Sprachenwerkstatt am südlichen Zipfel von Essen findet Crosby für seine unterhaltsame musikalische Spurensuche genau das richtige, aufmerksam lauschende Publikum.
Immer wieder werden seine ausführlichen, aber nie langatmigen Ansagen an diesem Abend zu Exkursen über Genres, Spieltechniken und Traditionen, und so gelingt es ihm spielend, seine fraglos von den Größen der Vergangenheit beseelte Musik auch im Hier und Jetzt greifbar und lebendig werden zu lassen. Mit ruhiger Stimme und doch mit viel Herzblut erläutert er seinen Brückenschlag zwischen traditioneller afrikanischer und indischer Musik und dem althergebrachten Blues des amerikanischen Mississippi-Deltas und setzt das Ganze auch ohne seine leider nicht reisefähige Chaturangui, eine 22-saitige (!) indische Slide-Gitarre, musikalisch oft brillant um. So verkürzt er mit seiner Version von "You Gotta Move" die Entfernung von Ravi Shankar zu Mississippi Fred McDowell auf wenige Takte, während ihn sein Sidekick Grant Smith auf der Calabash begleitet, einem afrikanischen Percussioninstrument, das letztlich nichts anderes ist als ein ausgehöhlter Flaschenkürbis.

So sehr Crosby in seiner Rolle als klangtechnischer Weltenbummler zwischen Raga Blues und Folk auch aufgeht, weiß er doch genau, wann es Zeit ist, mit deutlicher in der amerikanischen Blues-Tradition verwurzelten Stücken wie dem von Rev. Robert Wilkins adaptierten Traditional "Wish I Was In Heaven Sitting Down" oder Eigenkompositionen wie "I'm Dissatisfied" (aus seiner aktuellen LP "River Music") oder dem herrlich hypnotischen "Institution Blues" (aus der gleichnamigen Platte von 2013) zu seinem Kerngeschäft zurückzukehren und so zu beweisen, dass er zwar in Massachusetts zu Hause, aber mit dem Herzen im Süden der USA heimisch ist. Bei der frenetisch geforderten Zugabe wagt er sich dann augenzwinkernd sogar noch auf Country-Terrain vor und spielt, weil er einem seiner Gitarrenschüler das Lied kürzlich beigebracht hat, zum ersten Mal überhaupt bei einem seiner Konzerte Johnny Cashs "Folsom Prison Blues", das er als letztes Sahnehäubchen leichtfüßig als Bluesnummer interpretiert.

Zuvor hatte Blind Joe Black unterstrichen, dass die Liebe für traditionelle amerikanische Klänge nicht nur den Weg von Massachusetts nach Tennessee, sondern auch vom Ruhrgebiet in die US-Südstaaten manchmal ganz kurz erscheinen lassen kann. Zuerst solo, dann gemeinsam mit der jungen Newcomerin Mia Magpie als Duettpartnerin und am Ende in Quartettbesetzung mit Gitarre, Mundharmonika, Mandoline und Kontrabass bringt er dem Publikum seine Leidenschaft für Blues und Bluegrass genauso lebendig und authentisch nahe wie Ryan Lee Crosby. Langanhaltender Applaus ist der wohlverdiente Lohn für diese kleine, feine Lehrstunde in Sachen Rootsmusik.

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Surfempfehlung:
www.ryanleecrosby.com
www.facebook.com/ryanleecrosbymusic
ryanleecrosby.bandcamp.com
www.facebook.com/Blind-Joe-Black-2040079066063910
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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