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Im Zweifel für die Schafe zählenden Nachbarn

We Used To Be Tourists
Oh Sleep

Köln, artheater
04.10.2018

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We Used To Be Tourists
Benedikt Schmitz und seine Touristenkollegen hatten eingeladen zur Record-Release-Party im Kölner artheater zu Beginn der von Gaesteliste.de präsentierten Tour; was nicht verwunderlich ist, denn schließlich kommt die Band aus Köln Ehrenfeld - jenem Stadtteil, in dem sich neben des artheaters jene die Bühnen finden, auf denen die Band seit Jahren schon die Freunde angenehm temperierten Folkpops unterhalten. Das neue Album heißt "The Benefit Of Doubt" - im Zweifel also für den Angeklagten. Musikalische Zweifel waren jedoch nicht angebracht, denn We Used To Be Tourists blieben sich auf ihrer musikalischen Reise durchaus treu und präsentierten demzufolge ihre Songs - teilweise neu arrangiert - im reduzierten, akustischen Setting.
Als Support hatte man sich den Bonner Musiker Florian Sczesny eingeladen, der unter dem Projektnamen Oh Sleep erstmalig mit seinem Begleitmusiker Sebastian "als Band" und jeder Menge Effektgeräte auftrat. Das war auch ganz gut so, denn im reinen Akustik-Setting hätte Florian ganz schnell seinem Projektnamen alle Ehre gemacht und die Anwesenden in den Schlaf gesungen. Das ist gar nicht mal böse gemeint, denn als klassischer Vertreter der Männerschmerz-Ästhetik, mittels derer Florian vorwiegend Breakup-Themen verarbeitet (übrigens eigene wie auch fremdbestimmte), sind seine Songs naturgemäß vor allen Dingen melancholisch/depressiver Natur und kommen demzufolge auch eher balladesk als aufreizend daher. So aber arbeiteten sich Florian und sein Musikus mit fast jazziger Attitüde durch das Programm (das auch das Cover "Magazine" von Pedro The Lion enthielt), das somit durchaus auch eine atmosphärische Note jenseits des Schlafliedes bekam.
Der auf dem aktuellen Album zu beobachtende Trend zur Reduktion, den We Used To Be Tourists dort eingeschlagen haben, setzte sich auch bei der Live-Präsentation fort. Ihren Drummer hatte die Band ja schon vor einiger Zeit in die Wüste geschickt - bei der aktuellen Tour verzichtete man allerdings auch auf Bass und das früher schon mal gern gesehene Cello. Stattdessen gab es einen zweiten Gitarristen, ein Harmonium, ein echtes Klavier, ein Keyboard, Banjo und Mandoline als Instrumentarium. Kurz gesagt war das fast ein wenig zu viel des Guten, was die Askese betraf, denn insbesondere das Fehlen von Bassfrequenzen führte dazu, dass der - stark von dem Harmoniegesängen des Live-Quartetts geprägte - Akustik-Sound im Allgemeinen etwas dünnbrüstig daher kam. Aber We Used To Be Tourists machen ja auch keine Rockmusik, sondern eben Folkpop - und außerdem hatte ja schon die elegische Natur des neuen Albums vermuten lassen, dass die Zeiten des Rumhottens für die Kölner vorbei sind. Stattdessen konzentrierte man sich dann auf das Geschichten-Erzählen - immerhin ein Kerngeschäft der Folkmusik. Das funktionierte auch ganz gut - zumindest auf der handwerklichen Ebene, denn Benedikt gelingt es als Songwriter recht elegant, sein Anliegen in ansprechende Songformate zu gießen. Freilich hat er einen recht spezifischen Blick auf die Dinge. Ohne den Anspruch, in der Manier großer Vorbilder die Folkmusik als Medium der Agitation, der Nachrichtenübermittlung oder der politischen Meinungsäußerung verwenden zu wollen, konzentriert sich Benedikt Schmitz auf die kleinen Geschichten aus der Nachbarschaft, die das Leben als Künstler nun mal mit sich bringt. Nur selten ein Mal - wie z.B. in dem Song "Nashville, Tn" - erzählt er dabei von seinen Reisen und musikalischen Inspirationen - meist bleibt er dabei bei seinen Leisten und stellt dann Überlegungen an, dass es doch eigentlich überflüssig sei, Schafe zu zählen, wenn die Stadt doch niemals schläft. Das ist zwar zuweilen sympathisch bodenständig - aber für Außenstehende auch nicht besonders interessant. Hier wäre statt Reduktion und Konzentration vielleicht mal die eine oder andere blumige Übertreibung von Interesse. Freilich: Wer hört hierzulande schon auf englischsprachige Texte? Und somit ziehen sich We Used To Be Tourists dann elegant über die musikalische Schiene aus der Affäre - und da gibt es eigentlich nichts zu meckern, denn We Used To Be Tourists geben ja nicht vor, etwas anderes als angenehm temperierte Folkpop-Songs machen zu wollen. Und das tun sie ja - auch als Headliner in eigener Sache. Und es ist ja auch mal ganz angenehm, friedfertige Musik ohne irgendwelche politischen oder agitatorischen Aspekte präsentiert zu bekommen - einfach nur so.

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Surfempfehlung:
www.we-used-to-be-tourists.com
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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