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Konzert-Bericht
 
Wat mutt dat mutt

Dana Sipos
Ben Hermann/ Nick Zubeck

Duisburg, Privatkonzert
28.09.2018

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Dana Sipos
Es ist ja gewissermaßen von Vorteil, wenn die eigenen Musiker auch gleich noch Songwriter in eigener Sache sind, wenn man gemeinsam auf Tour geht, denn dann können diese ja auch gleich noch den Support-Act übernehmen. Als die Kanadierin Dana Sipos auf ihrer aktuellen Europa-Tour auch Station in Duisburg machte, war sie mit ihren Landsleuten Ben Hermann und Nick Zubeck unterwegs, die sie bei ihrem Live-Auftritt an Drums und Gitarre begleiteten - und natürlich auch gerne die Gelegenheit nutzten, ein paar eigene Songs vorzutragen.
Obwohl die beiden Herren prinzipiell unterschiedliche Ansätze haben - Nick Zubeck konzentriert sich stärker auf seine beeindruckenden intstrumentalen Fähigkeiten und baute sogar ein Instrumental in sein kurzes Set ein während Ben Hermann (mit einem ganz anderen Timbre) mehr die harmonischen Qualitäten und Strukturen seines Tuns unterstreicht -, war ihnen doch eines gemeinsam: Eine Vorliebe für fast meditative Songstrukturen, wie sie z.B. ihr älterer Kollege und Landsmann Bruce Cockburn favorisiert - dessen Song "Going To The Country" Ben Hermann auch gleich in sein Programm mit aufnahm. Und dann gab es noch eine Parallele, die dann gleich alle drei Künstler betraf: Alle hatten nämlich Songs im Gepäck, die als einfühlsame Hommage an Menschen, die verstorben waren gedacht waren: Nick Zubeck widmete seinem Bruder den Titel "Morningstar", Ben Hermann tat das mit - im übertragenen Sinne - mit seiner Ode an die Handwerkskunst "Primrose" und Dana schrieb einen Song über "David", der in der kanadischen Wildnis verschollen ist. Nicht, dass deswegen die Veranstaltung zu einer Trauerfeier geworden wäre, aber es zeigt, dass die drei Musiker zumindest von der Sensibilität her auf einer gemeinsamen Wellenlänge agieren. Während Nick Zubeck zwar deutsche Wurzeln hat, aber der Sprache keineswegs mächtig ist, überraschte sein Kollege Ben Hermann während des Sets nicht nur das Publikum, sondern auch seine Mitstreiter mit geradezu profunden Kenntnissen des Deutschen. Als nämlich Dana Sipos am Ende ihres Sets eine Zugabe aus dem Ärmel schütteln musste, meinte Hermann schmunzelnd "Wat mutt, dat mutt" - und erklärte dann auch gleich den umgangssprachlichen Hintergrund dieser p
lattdeutschen Redewendung.

Kommen wir aber mal zum Kern der Sache: Dana Sipos hatte im Frühjahr ein neues Album namens "Trick Of The Light" herausgebracht und machte im Folgenden dann auch dieses zum Thema des Abends - gleichwohl sie auch einige ältere Tracks zum Besten gab. Zunächst aber listete sie noch ein Mal ihre beeindruckende persönliche Historie auf und betonte dabei mehrfach, dass sie - als klassische Troubadourin - längere Zeit ohne feste Adresse unterwegs gewesen sei und ihre Touren - zum Teil mit Ben Hermann zusammen - per Fahrrad, auf einem Schiff, mit dem Zug und per Kanu absolviert habe. "Da haben wir natürlich auf gutes Wetter gehofft", erklärte sie schmunzelnd. Auf diesen Reisen fand sich dann natürlich jede Menge Material, das sie für ihre Songs verwenden konnte, die sich somit - zumindest auf den ersten Blick - durchaus auch als musikalischer Reisebericht verwenden lassen. Die Erfahrung, die sie dabei als Live Performerin sammeln konnte ("Ich habe schon öfter mein Frühstück mit meiner Musik bezahlt.") macht sich dann im Live-Kontext durch genau jene lässige Souveränität bemerkbar, der eigentlich auch ihre Studio-Produktionen auszeichnet. Ähnlich wie ihrer Kollegin Natalie Merchant - an dessen Timbre sie zufällig zuweilen auch erinnert - kommt auch Dana Sipos ohne große Gesten und Effekte auf und präsentiert ihr Material mit einer bemerkenswert spannungsfreien Unaufgeregtheit. Da es sich bei ihrem musikalischen Leitmotiv um Folk-Musik im weitesten (und besten) Sinne handelt, überraschte es dann eher, dass sie nicht etwa einfach mit einer akustischen Gitarre, sondern mit einer wettergegerbten semi-akustischen Großgitarre mit einem ganz spezifisch schnarrenden Klangbild auftrat - und sich dabei zudem von Nick an der E-Gitarre und Ben am Drumkit begleiten ließ (das bei ihrer Studioarbeit gar keine besonders große Rolle spielt). Das machte aber nix, denn so gelang es dem Trio ein vergleichsweise fülliges Klangbild zu erzeugen und den zugrundeliegenden Folk-Balladen eine breitere Basis zu vermitteln. Insgesamt geriet dieses Konzert somit extrem kurzweilig - woran natürlich aber auch Danas Geschick als Songwriterin nicht ganz unschuldig ist, denn ihre Moritaten sind schon von Haus aus vielschichtig, melodisch und stilistisch variantenreich angelegt. Kurz gesagt, war das eines dieser (unaufgeregten) Privatkonzerte mit überraschendem musikalischen Mehrwert - wie man sie sich eigentlich auch wünscht

NACHGEHAKT BEI: DANA SIPOS

GL.de: Selbst für eine Kanadierin ist Dana Sipos ja ganz schön herumgekommen. Kann man die besungenen Landmarken in den Songs - insbesondere der letzten beiden Alben "Trick Of The Light" und "Roll Up The Night Sky" eigentlich sozusagen wörtlich nehmen - oder steckt da mehr dahinter?

Dana: Ich würde sagen beides. Ich schreibe natürlich über die Orte, die mich beeinflussen - aber es steckt auch immer eine Geschichte dahinter. Ich möchte nur nicht immer alles so deutlich sagen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, seine eigenen Gedanken zu meinen Songs zu haben.

GL.de: In den Songs geht es auch gerne mal um Naturereignisse wie Lichterscheinungen, Schatten, Himmelsereignisse oder Windgesänge. Ist das ein Leitmotiv - oder geht es dabei eher um Mystizismus?

Dana: Also ich denke dabei sicher nicht zuerst an die Mystik - aber das schleicht sich schon mal ein als Thema. Ich bin jedenfalls offen dafür und werde darauf in der Zukunft wohl auch stärker achten.

GL.de: Was an den besungenen Landmarken auffällt, ist dass diese in den USA liegen - Shenandoah, die Blue Ridge Mountains oder Michigan zum Beispiel. Warum wird denn nicht über Orte in Kanada gesungen?

Dana: Das ist eine gute Frage - zumal meine ersten Scheiben ja auch vom Norden Kanadas handelte. Ich habe lange Zeit dort verbracht und es war eine gute musikalische Gemeinschaft auf die ich dort getroffen bin. Vielleicht stellen meine neuen Scheiben aber auch den Abschied vom Norden dar… nein, das ist vielleicht nicht richtig, denn ich werde mich nie davon verabschieden. Sagen wir mal, es ist ein Neuanfang, denn ich wollte ein Mal etwas anderes machen. Und dann ich bin dann auch lange Zeit die Ostküste der USA herunter gewandert, durch die Appalachen durch Georgia und North Carolina - runter bis nach Nashville, wo ich Familie habe.

GL.de: Das erklärt dann sicherlich auch die appalachischen Themen in den Songs. Warum aber gibt es dann keine Country-Elemente - wie bei vielen kanadischen Kollegen, die in Sachen US-Musik machen?

Dana: Ich bevorzuge eher die Folk-Strukturen, denn meine Geschichten sind nicht so geradlinig, wie jene in Country Songs.

GL.de: Und Folkmusik ist ja auch eine Spur düsterer als Country Musik. Das passt wahrscheinlich besser, oder?

Dana: Ja, das könnte man so sehen.

GL.de: Welche Tugend ist denn beim Song-Schreiben am wichtigsten?

Dana: Man muss ein guter Zuhörer sein. Man muss sogar besser zuhören können, als man reden kann. Dann brauche ich eine Geschichte, die ich erzählen möchte. Und dann ist es wichtig, die Songs so einfach wie möglich zu gestalten. Das ist auch viel interessanter und schwieriger, als überfrachtete Songs zu schreiben. Man muss aber hier die Balance wahren. Ich habe zum Beispiel dieses Stipendium in Nashville gehabt, wo es Kurse gibt, wie man Country-Songs schreibt. Und dort wurde die Maxime ausgegeben, alles so einfach und geradlinig zu machen, wie möglich. Es sollte dann aber alles nur noch einzig um das gelbe Kleid gehen, das im Wind flattert. Das ist mir dann doch etwas zu einfach. Ich würde mal sagen: Es sollte einfach - aber nicht zu einfach sein.

GL.de: Die letzte Scheibe "Trick Of The Light" wurde von Sandro Perri - der arbeitet aber nicht so einfach, oder?

Dana: Nein - dabei ging es ja auch um die Produktion und den Sound. Unser Anspruch war, der, die Songs so experimentell wie möglich zu arrangieren und so die Möglichkeiten auszuloten. Denn wie meine Geschichten, sind auch meine Songs nicht wirklich geradlinig - auch wenn sie einfach sein sollen...

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Surfempfehlung:
www.danasipos.com
www.facebook.com/dana.suppose
www.facebook.com/BenHermannMusic
www.facebook.com/nickzubeckmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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