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Konzert-Bericht
 
Die ungeschminkte Wahrheit

Courtney Barnett
Loose Tooth

Köln, Live Music Hall
13.06.2018

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Courtney Barnett
Für Courtney Barnett hat der Ernst des Lebens begonnen: Ihr Aufstieg zum Indierock-Gipfel war rasant, doch irgendwie ist ihr unterwegs ein wenig die Lockerheit abhandengekommen, die zuvor einen nicht unerheblichen Reiz ausgemacht hatte. "Tell Me How You Really Feel", das zweite Album der Australierin, ist merklich in sich gekehrter als ihr fabelhaftes Debüt "Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit" aus dem Jahre 2015 und vollgestopft mit ungeschminkten Wahrheiten. Auch wenn es den neuen Songs nicht an einer klaren Bestimmung mangelt, klingen sie oft zögerlich, es sind Lieder darüber, was es bedeutet, nicht die richtigen Worte für alles zu haben oder zu brauchen. Das schlägt sich auch auf Barnetts Auftritt in Köln nieder.
Auf ihren frühen EPs und ihrem LP-Debüt schüttelte sich Barnett die Instant Hits nur so aus dem Ärmel. Ihre neue Platte dagegen entfaltet ihre ganze Größe erst langsam. Am letzten Abend ihrer Europatournee spielt die 30-Jährige das aktuelle Werk dennoch kurzerhand komplett und in Originalreihenfolge, und das überfordert ihr Publikum in Köln gerade einmal drei Wochen nach der Veröffentlichung wohl ein wenig. Ein bisschen mag es auch an der ungastlichen Atmosphäre der halbvollen Live Music Hall liegen, aber selbst die eingängigsten Nummern wie "Charity" und "Need A Little Time" lösen an diesem Abend nur in den ersten Reihen echte Reaktionen aus. Weiter hinten verpuffen gerade die sperrigen Songs, die folgen, leider erstaunlich wirkungslos. Von der Euphorie früherer Barnett-Konzerte - man denke nur an den Triumpfzug im bis auf den letzten Platz besetzten Kölner Stollwerck vor drei Jahren - ist deshalb zunächst wenig zu spüren, erst beim LP-Schlussstück "Sunday Roast" tauen die Zuschauer etwas auf, und sei es nur aus Vorfreude auf den zweiten Teil. Doch auch Barnett selbst wirkt bei der anschließenden Kür merklich lockerer als bei der vorangegangenen Pflicht - um sich den Rücktransport nach Australien zu sparen, verschenkt sie am Ende sogar eine in Europa erworbene, nun mit den Bandautogrammen versehene Akustikgitarre an einen glücklichen Menschen im Publikum. Musikalisch gewinnt sie derweil gemeinsam mit ihrer um Gitarristin/Pianistin Katie Harkin verstärkten, rein visuell aber spürbar in den Hintergrund gerückten Band vielen alten Highlights wie "Avant Gardener", "Depreston" oder "Elevator Operator" mit ordentlich Jam-Feeling neue Seiten ab und lässt dabei genau die Unbeschwertheit aufblitzen, die sie früher stets ausgezeichnet hat.
Ähnlich sorglos sind zuvor auch Barnetts Milk-Records-Schützlinge Loose Tooth aufgetreten. Die Melbourner Band hat beim Grundkurs "Indiepop für Anfänger" ganz genau aufgepasst und kredenzt uns mit sichtbarem Spaß am eigenen Tun Zuckersüßes aus vier Genre-Jahrzehnten. Sympathisch am Rande: Anders als bei vielen ihrer Seelenverwandten aus den 80ern und 90ern spielt hier der Herr den Bass und die beiden Damen Gitarre und Schlagzeug bedienen, während es beim Gesang reihum geht. Mit ihren wunderbar simpel-eingängigen Liedern sind Loose Tooth immer nah am Klischee, haben aber so viel DIY-Charme und niedliche Ansagen auf ihrer Seite, dass man sie einfach liebhaben muss.

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Surfempfehlung:
courtneybarnett.com.au
www.facebook.com/courtneybarnettmusic
courtneybarnett.bandcamp.com
www.facebook.com/loosetoothmusic
loosetoothband.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-

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