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Konzert-Bericht
 
Alpen-Blues

Phoebe Bridgers
Harrison Whitford

London, Islington Assembly Hall
23.05.2018

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Phoebe Bridgers
Phoebe Bridgers hat es momentan nicht ganz einfach. Allerdings ist es ein absolutes Musikanten-Luxus-Problem, mit dem die Gute zurecht kommen muss. Sie ist nämlich derzeit dermaßen gefragt, dass sie nicht mal dazu kommt, eine "ordentliche" Europa-Tour hinzulegen. Stattdessen tourt sie in den USA als Support angesagter Mega-Stars landauf und landab, sodass sie für Europa nur ein paar Termine in England für ihr Headliner-Debüt abzweigen konnte. Bevor im Sommer zumindest einige Festival-Termine bei uns anstehen, blieb vorerst nur die Möglichkeit, sie z.B. bei ihrer Show in der Islington Assembly Hall im Norden von London zu begutachten.
Als Support Act hatte sich Phoebe kurzerhand ihren besten Freund, Harrison Whitford, ausgesucht - mit dem zusammen sie eh ständig auf der Bühne steht. Bei ihre ersten Solo-Tour vor ziemlich genau einem Jahr hatte sie bereits auf Harrions Hilfe zurückgegriffen und weiland auch einen seiner Songs in ihr eigenes Programm aufgenommen. Whitford verfügt aber selbst über eine erkleckliche Songsammlung, aus der in Islington dann entsprechende Beispiele vortrug. Das Material Whitfords entspricht dem klassischen Songwriter-Setting - wobei sich Whitford sich nicht scheut, seinen Idolen Tribut zu zollen, etwa durch einen Song, den er für bzw. über Leonard Cohen geschrieben hat oder eine Coverversion von Paul Simons "Slip Slidin' Away", zu der er seine Chefin dann als Duettpartnerin auf die Bühne bittet. Ehrlich gesagt sind es dann auch die Songs, bei denen Phoebe Bridgers und Harrison Whitford gemeinsam singen, die am besten funktionieren - einfach weil Harrison Whitford alleine nicht besonders charismatisch rüberkommt und vergleichsweise introvertiert vor sich hin spielt, ohne das Publikum weiter zu beachten.
Ein Problem, das Publikum und ihre Mitmusiker - aber auch sich selbst - auf ironische Art auf die Schippe zu nehmen, hatte Phoebe Bridgers hingegen ja noch nie. Ergo wunderte es dann auch nicht, dass sie sich nun über so eigenartige Themen wie Hautausschläge, verfilzte Studentenbuden oder Lebensmittelvergiftungen lustig machte, die in dieser oder jener Form eben ihre Musiker oder das Publikum betrafen. Echt beeindruckt zeigte sie sich indes davon, dass die Show in der Islington Assembly Hall restlos ausverkauft war. "Das ist das größte Publikum, vor dem ich bislang alleine spielte", freute sie sich. Obwohl sie ja gar nicht alleine war. Der Witz bei diesem Tourabschnitt war ja, dass Phoebe außerhalb der USA erstmals mit einer Band unterwegs war. Diese bestand neben Phoebe und Harrison Whitford aus Drummer Marshall Vore und Multiinstrumentalistin Fiona Bryce. Gerade letzteres zeigte sich als echten Zugewinn, da Fiona von Haus aus Geigerin ist und Phoebe zudem effektiv mit einer zweiten Stimme unterstützen konnte. Nachdem das indes gesagt ist, muss auch hinzugefügt werden, dass die Hinzunahme von zusätzlichen Musikern erstaunlich wenig zur Magie eines Phoebe Bridgers-Auftrittes beitrug. Das liegt zum einen daran, dass der Band kein Bassist angehörte - und sich so ein "richtiger" Bandsound gar nicht erst einstellen wollte. Und andererseits ist Phoebe Bridgers einfach keine Bandmusikerin. Wenn sie ihre Augen schließt und den Mund aufmacht, ist eine zusätzliche Instrumentierung grundsätzlich nur noch schmückendes Beiwerk - zumal sich ihre melancholischen Mörderballaden in den seltensten Fällen als orchestrierte Rocksongs empfehlen und sich die Faszination eher aus dem erschließt, was sie ausspart als dem, was sie anhäuft. Und dann noch etwas: Bei den Interviews zu ihrer Debüt-LP "Strangers In The Alps" räumte Phoebe freimütig ein, dass ihr größtes Problem als Songwriterin sei, ordentliche Refrains zu schreiben - woran sie in Zukunft noch arbeiten wolle. Da ihr aber momentan einfach keine Zeit bleibt, neues Material zu schreiben, kommen eben die vorhandenen Songs auch mit Band eher linear als dynamisch daher. Das führte dann dazu, dass die Musiker der Band Phoebes Tun eher komplimentierten als befeuerten. Freilich: So geriet die Sache auch nie in Gefahr, den Aufnahmen auf "Stranger In The Alps" allzu nahe zu kommen.

Was Phoebe freilich nutzte, waren die verschiedenen Klangfarben, die sich aus Fionas Piano- und Violinen-Spiel ergaben. So bekamen die Fans dann auch endlich ein Mal "Killer" im originalen Piano-Arrangement zu hören und als Zugabe gab es dann auch eine ausführliche Version des Mark Kozelek-Covers "You Missed My Heart". Dazu legte Phoebe ihre Gitarre ganz zur Seite und setzte sich abschließend sogar auf den Boden, um die Emotionen des Stückes entsprechend seiner Anlage als Traum-Song mit geschlossenen Augen nachvollziehen zu können. Kleine Notiz noch am Rande: Soeben hat Phoebe Bridgers eine Laufbahn als Journalistin eingeschlagen und ein Interview mit dem von ihr versehrten Kozelek geführt. Abgerundet wurde das Set, wie schon zuletzt, mit dem Tom Petty-Cover "It'll All Work Out" - einem Stück übrigens, das inhaltlich kaum einen größeren Kontrast zu Phoebes eigenen, desolaten Nihilismen bieten könnte.

Als Fazit bliebe zu sagen, dass dieses Konzert zwar durchaus die übliche Faszination der Performerin Phoebe Bridgers ausstrahlte - der man sich als Zuhörer kaum entziehen könnte - aber in Bezug auf das Band-Setting überraschenderweise kaum einen erkennbaren Mehrwert gegenüber ihrer Konzerte ohne Band bot.

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Surfempfehlung:
www.phoebefuckingbridgers.com
www.facebook.com/phoebebridgers
facebook.com/harrisonwhitfordmusic
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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