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Konzert-Bericht
 
Aus der Zeit gefallener Schönklang

Alela Diane
Olivia Chaney

Frankfurt, Brotfabrik
17.04.2018

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Alela Diane
Konzerte von Alela Diane wirken immer ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Auch bei ihrem Auftritt in Frankfurt braucht die ursprünglich aus dem kleinen Nest Nevada City, Kalifornien, stammende, aber heute in Portland, Oregon, heimische Freak-Folk-Heroine nur wenige Akkorde und den Klang ihrer betörenden Stimme, um das Publikum zurück in eine Zeit der sanft psychedelisch umwehten Leichtigkeit zu transportieren. Das Zuschauer im bestuhlten Saal der Brotfabrik - dem mit Abstand kleinsten Venue auf Alelas derzeitiger Gastspielreise in Europa, bei der auch ausverkaufte Shows in der Elbphilharmonie Hamburg, dem Heimathafen in Berlin und La Cigale in Paris auf dem Tourneeplan stehen - hört 75 Minuten lang gebannt zu.
"Ich war die letzten Jahre daheim mit Kinderkriegen beschäftigt, aber ich bin glücklich, jetzt wieder auf der Bühne zu stehen", erklärt Alela ihrem Publikum, und die Freude am eigenen Tun kann man ihr auch anmerken. Dramaturgisch perfekt schlägt die grundsympathische Singer/Songwriterin wenige Tage vor ihrem 35. Geburtstag einen Bogen von ihren frühesten Solowerken ("The Rifle" und "Oh My Mama" spielt sie ganz allein) über die Gänsehaut-Momente ihres Breakthrough-Albums "To Be Still" wie "White Diamonds" und die Verarbeitung ihrer gescheiterten ersten Ehe ("About Farewell") bis zu den Highlights ihrer feinen aktuellen LP "Cusp" ("Ether And Woods" - was für ein Song!) und der Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Mutter - "Wild Ceaseless Song" wurde von ihrer ältesten Tochter Vera inspiriert. Nahtlos verwebt sie dabei alte und neue Songs in behutsam inszeniertem Akustik-Schönklang, der warm und einschmeichelnd ist und auf eine betont menschlicher Note anstatt auf klinischen Perfektionismus setzt. Nur die Lieder ihrer mit großem Bandbesteck aufgenommenen LP "Wild Divine" fehlen konsequenterweise.

An ihrer Seite hat Alela Heather Woods Broderick und Mirabai Peart, die virtuos gleich ein ganzes Orchester ersetzen und fliegend zwischen Konzertflügel, Schlagwerk, Synth-Bass, Cello, Viola, Quer- und Blockflöten hin und her wechseln, als gäbe es nichts Leichteres. Dabei strahlen die drei Musikerinnen oft um die Wette, zu Recht begeistert davon, wie sie die feingliedrigen Arrangements der Platten bis ins letzte Detail genau auf die Bühne bringen, etwa den herrlichen kleinen Call-und-Response-Part von Klavier und Viola bei "Colorado Blue".

Das Sahnehäubchen ist derweil die Britin Olivia Chaney im Vorprogramm, die allein mit Gitarre oder Klavier und Wahnsinnsstimme traditioneller englischer Folk-Musik (und "O Solitude" von Klassikkomponist Henry Purcell!) ganz neue Seiten abgewinnt und der Ernsthaftigkeit ihrer wunderbaren musikalischen Performance gut gelaunt ausführliche, aber dennoch nie langatmige Ansagen entgegenstellt, bei denen sie herrlich beiläufig auf ihr Studium an der altehrwürdigen Royal Academy Of Music in London verweist ("Das Gitarrespielen habe ich erst anschließend angefangen", verrät sie lachend), ein Faible für Film-inspirierte Songs offenbart und in einem Nebensatz fallen lässt, dass ihre unter dem Namen Offa Rex erschienene Kollaboration mit The Decemberists in diesem Jahr für den Grammy nominiert war. Besser geht's nicht!

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Surfempfehlung:
aleladiane.com
facebook.com/aleladianemusic
www.oliviachaney.com
facebook.com/OliviaChaneyMusic
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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