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Konzert-Bericht
 
Der Kaiserin neue Kleider

Anna Ternheim

Köln, Kulturkirche
11.04.2018

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Anna Ternheim
Die Schwedin Anna Ternheim macht es ihren Fans ja nun wirklich einfach. Schließlich können sich diese blind darauf verlassen, dass ihnen Anna auf jeder Tour eine neue Facette ihrer selbst präsentiert und das Material des jeweils zu bewerbenden Albums in immer wieder neuen Settings, Variationen und Szenarien darbietet. So auch dieses Mal: Agierte sie bei den Touren zu ihrem letzten Album "For The Young" noch in verschiedenen Band-Konstellationen mit durchaus unterschiedlichen, druckvollen Sound-Konzepten, so ging es auf diesem Tourabschnitt zu dem zuletzt veröffentlichten Werk "All The Way To Rio" nun wieder ruhiger zu. Zusammen mit dem Multiinstrumentalisten Martin Hederos, der als Gründungsmitglied und Keyboarder des inzwischen aufgelösten schwedischen Ensembles Soundtrack Of Our Lives auch bei uns zu einiger Bekanntschaft kam, trug sie ihre Songs in einem neu konzipierten Solo- (bzw. Duo-)Setting vor.
Dieses Konzept - auf der Bühne jedes Mal etwas Neues zu erschaffen - gehört dabei zur Philosophie der Anna Ternheim: "Ich bin ziemlich rastlos", erläuterte sie ihr Konzept der ständig variierenden Live-Darbietung vor der Show, "ich weiß ja, dass meine Stimme immer gleich klingt und ich meine Art habe, Songs zu schreiben. Also finde ich es wichtig, dass man sich als Solo-Künstler ständig verändern sollte. Und eine Art, dies zu tun, ist nach Wegen zu suchen, seine Songs immer wieder auf eine neue Art zu spielen. Im Grunde genommen bleiben die Songs ja dieselben - man zieht ihnen halt nur neue Kleider an." Diese - zwar banale, aber profunde - Erkenntnis führte dann dieses Mal dazu, dass die Songs in einem zwar recht sparsamen - aber ungemein effektiven Setting präsentiert wurde, in dem Martin Hederos mit diversen Keyboards, Bass-Pedal, Geige und Akkordeon und Anna mit verschiedenen Gitarren (und teilweise auch ohne oder selbst ein Mal am Keyboard sitzend) für ein erstaunlich vielschichtiges Klangbild sorgten, das weit über die Lagerfeuer-Romantik typischer Solo-Konzerte hinausreichte. Zwar sind viele der neuen (und sowieso auch die älteren) Stücke Annas betont melancholisch und teilweise sogar larmoyant geraten - was aber nicht bedeutet, dass sie deswegen gleich allesamt im Balladenformat daher kämen. Auch im Live-Kontext bemühten sich Anna und Martin durchaus, dem Material - entsprechend des Songformates - eine opulente, liturgische, psychedelische und zuweilen sogar treibende Note angedeihen zu lassen. Der neue Song "Holding On" etwa baute sich zu einer Art psychedelischem Sturm auf und "What Have I Done" - eine von Annas rhythmisch betriebsamsten Nummern - kam, wie auch der Tteltrack des neuen Albums, mit einem federnden Groove daher. Freilich standen dann im Großen und Ganzen doch eher die lyrischen Momente und Aspekte im Wirken Annas im Fokus der Betrachtungen - nur halt nicht auf eine irgendwie trantütige Art. Es gab zwischen den Zeilen und Tönen auch einiges zu Entdecken in Annas Song-Universum. "Musiker sind wie Seeleute", erläuterte sie zum Beispiel als Einleitung zu dem Stück "The Longer The Wait The Sweeter The Kiss", das sie weiland mit Dave Ferguson geschrieben hatte, "deswegen spiele ich euch hier einen Seeman-Song." Und dann erfuhren die Fans auch noch, wie Annas Songs entstehen: "Lover's Dream" zum Beispiel ist kein Liebeslied, sondern ein Stück, zu dem sich Anna durch einen Traum und ihre Vorliebe für Horrorfilme inspirieren ließ. Bei "Ghost Of A Man" handelt es sich nicht um eine Geistergeschichte - sondern ein Lied, das sie für eine Freundin schrieb, die Schwierigkeiten mit ihrem Verflossenen hatte. Der neue Track "4 In The Morning" ist schließlich ein Art verklärter Erinnerung an die Schulzeit. Und dann erklärte Anna auch noch, warum sie sich für eine Zusammenarbeit mit Martin Hederos entschieden habe. "Ich mag seine Melodien", erklärte sie, nachdem sie ausgeführt hatte, das Martin bei SOOL gespielt hatte, "jeder hat ja so eine Melodie in sich. Wir sprechen einfach eine gemeinsame Sprache." "Ja - und wir bewegen uns auch auf die gleiche Art", fügte Martin noch scherzhaft hinzu - denn Bewegung fand auf der Bühne in diesem Zusammenhang natürlich nur am Rande statt. Wie eng die Zusammenarbeit mit und das Vertrauen in Martin Hederos dabei gediehen ist, zeigte sich nicht nur auf die intuitive Art, auf die sich Martin und Anna da auf der Bühne belauerten und umspielten, sondern auch darin, dass er ein eigenes Instrumental namens "Slottskogen" (einem Park in der Nähe des Kellerraumes, in dem er längere Zeit hauste) in der Mitte des Sets vortrug.
Nachdem das ausverkaufte Konzert dann mit diversen Zugaben zu Ende ging war klar, dass dieses Konzept wohl auch genau jenes gewesen war, auf das die Fans auch gewartet hätten. Eine Randnotiz sei noch erwähnt: Die Stücke zu "All The Way To Rio" entstanden chronologisch bereits vor jenen, die auf dem Album "For The Young" versammelt sind - was im Nachhinein die lange Pause von 2011 bis 2015 erklärt, in der Anna quasi "verschwunden" schien. Damit ist diese Altast jetzt aber auch abgearbeitet. Anna versicherte, dass sie jetzt wieder an "echtem" neuen Material arbeite. Kurzum: Die "alte" Anna Ternheim ist wieder zurück.

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www.annaternheim.com
www.facebook.com/annaternheim
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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