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Schweben wie auf Wolken

Mammal Hands

Dortmund, Domicil
14.03.2018

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Mammal Hands
Jung und hip ist das Publikum, das an diesem Abend beim Auftritt der großartigen Mammal Hands aus Norwich den Dortmunder Jazzclub Domicil bis fast auf den letzten Sitzplatz füllt. Keine Frage, für die wenigstens hier bedeutet Jazz Albert Mangelsdorf oder Peter Brötzmann, sie sind hier, weil sie GoGo Penguin oder BadBadNotGood mögen oder weil sie bei stilistisch offenen Indie-Open-Airs wie dem Haldern Pop Festival die heutigen Headliner kennen- und lieben gelernt haben. Doch das passt zu dieser Band, denn auch Nick Smart (Klavier), Jesse Barrett (Schlagzeug/Tabla) und Jordan Smart (Saxofon) sind trotz virtuoser Fähigkeiten an ihren Instrumenten eigentlich keine klassischen Jazzer. Ihre Einflüsse reichen von Sufi und schamanischer afrikanischer Meditationsmusik über irische und osteuropäische Folklore bis hin zu Steve Reich oder Philip Glass und zeitgemäßer Electronica.
"Mammal Hands put the dream into Jazz", schrieb unlängst jemand über das unscheinbar aussehende und doch so fesselnd klingende Trio - und das beschreibt den hinreißenden Auftritt am Eröffnungsabend der von Gaesteliste.de präsentierten Deutschland-Tournee perfekt: Bisweilen glaubt man auf Wolken zu schweben. Mit ihrem oft geradezu hypnotischen Fusion-Sound und ihren feinfühligen, ja, bisweilen fast schon poetisch zu nennenden Stücken nehmen Mammal Hands die Zuschauer mit auf eine Reise, bei der die Band und nicht wie so oft sonst beim Jazz der einzelne Musiker der Star ist. Ähnlich wie beim Math Rock bewegen sich Mammal Hands gemeinsam betont behutsam vorwärts und entfalten ihre auf der Wiederholung rhythmischer Phrasen fußenden Lieder vorsichtig nach und nach. Aufdringliche Soli oder phongewaltige Ausbrüche brauchen sie dafür nicht. Stattdessen entwickelt ihre komplexe und doch nie verkopfte Musik Sogwirkung und fließt auch selbst dann wunderbar, wenn die Taktarten mal ein wenig abenteuerlicher werden. Mammal Hands, das unterstreicht das Gastspiel im Domicil einmal mehr, sind Meister der rhythmischen Dynamik, ihr majestätischer Sound ist ein kosmischer Genuss.
Große Ansagen sind da nicht nötig und tatsächlich nutzt der schüchterne Wortführer Nick Smart seine kurzen Ansprachen vor allem, dem Publikum fürs Kommen und Zuhören zu danken, und verrät über die Musik kaum mehr als einzelne Songtitel. Der Großteil der Stücke stammt aus der aktuellen Glanztat "Shadow Work" (allen voran die imposante Schlussnummer "Boreal Forest"), dazu gesellen sich einige wenige Rückgriffe auf die beiden vorangegangenen Alben wie das famose "Kandaiki". Es spricht für die Qualität des Oeuvres der Engländer, dass sie dabei auf ihre vielleicht schönste Nummer "Hourglass" sogar verzichten können, ohne dass es großartig auffällt. Als das Trio nach der Zugabe "Tiny Crumb" wieder an die Realität andockt, mag man kaum glauben, dass mehr als 90 Minuten vergangen sind. Bei Mammal Hands ist offenbar nicht nur die Musik stets im Fluss.

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Surfempfehlung:
mammalhands.com
facebook.com/MammalHands
mammalhands.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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