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Konzert-Bericht
 
The Funk Soul Brothers

Steve Wynn
Chris Cacavas

Grevenbroich, Hauskonzert/ Mülheim/Ruhr, Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe
08.03.2018/ 09.03.2018

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Steve Wynn
Es war dann doch alles ein wenig komplizierter, als es zunächst den Anschein gehabt hatte. Vorgesehen hatte Steve Wynn eine kleine, unauffällige, um private Termine herum garnierte elektrische Solo-Tour durch ein paar ausgewählte europäische Wohnzimmer. Dann gesellte sich aber kurzfristig noch der alte Kumpel Chris Cacavas aus Paisley Underground-Zeiten (der zuletzt auch auch Vollmitglied der reformierten Dream Syndicate herhalten muss) als Support-Act und kongenialer Begleiter am Keyboard hinzu. Zum Tourauftakt in Grevenbroich wollte es der Zufall, dass Steves "europäischer Bassist" Eric Van Loo, den er bereits aus den Tagen kennt, als er sich diesen vor 15 Jahren erstmalig von der damaligen Willard Grant-Besetzung ausgeliehen hatte, Zeit für eine Stippvisite hatte. Und damit war es dann immer noch nicht genug, denn der Hausherr der Grevenbroicher Show hatte vorab schon den lokalen Gitarrenheld Christian Weniger (Black Remains) als Support gebucht. So galt es denn, ein mehr oder minder strammes Programm durchzuziehen.
In Grevenbroich eröffnete zunächst Christian Weniger die Show mit einem eigenen Song, bevor er im Folgenden zeigte, dass er sein Idol Jimi Hendrix durchaus mit Gewinn studiert hatte. Nicht nur spielte er im Folgenden "Purple Haze" mit der Gitarre auf dem Rücken, sondern er schaffte es obendrein durch den geschickten Einsatz eines Samplers, sich zeitgleich auf akustischer wie elektrischer Gitarre zu duellieren. So etwas muss man ja auch erst ein Mal hinbekommen.

Chris Cacavas hatte zwar nach wie vor keine eigene neue Scheibe im Gepäck, aber offensichtlich Lust, ein paar seiner eigenen Songs auf Gitarre und Keyboard zu spielen. Wie üblich nutzte er dabei das Format, um zu experimentieren - etwa indem er sich zu frisch gesampelten Keyboard-Sounds selbst auf der Gitarre begleitete, in Grevenbroich seinem Song "California" klassische American-Songbook-Vignetten hinzufügte und einen Titel des weiland von Steve Wynn produzierten Albums "Anonymus" spielte und in Mülheim den Publikumswunsch "Pale Blond Hell" ausnahmsweise mal auf dem Piano anstatt der Gitarre zu spielen. "Das kann schrecklich werden - oder auch lustig", warnte er. Am Ende wurde es schrecklich lustig. Was seine tendenziell doch larmoyanten Tracks dann an Lebensfreude vielleicht vermissen ließen, machte er auf diese Weise - und durch die inzwischen zunehmend auch auf deutsch formulierten, launigen Zwischenansagen - dann wieder weg.

Steve Wynn hatte sich vorgenommen, auf dieser Tour ältere Tracks zu spielen, die ansonsten schon längere Zeit nicht mehr den Weg auf seine Setlists gefunden hatten. Um dann auch musikalisch neue Akzente zu setzen, hatte er sich des Weiteren zwei neue Effektgeräte mitgebracht - ein Distortion-Pedal im Dream Syndicate-Layout (statt "Volume" und "Tone" steht "Wine" und "Roses" unter den Bedienungsknöpfen), das er interessierten Gitarristen auch verkauft hätte ("Damit spielen sich meine Songs wie von selbst", erklärte er in Mülheim) und ein Mellotron-Pedal, das wie ein Gitarrensynthesizer funktioniert, statt Synthie-Sounds aber Mellotron-Klänge hervorzaubert. Letzteres setzte er in Grevenbroich bei "Manhattan Faultline" und in Mülheim bei "Burn" ein - durchaus mit überschaubarem Erfolg. Aber immerhin. Die bunt zusammengesetzte Setlist bediente sich - in veränderlicher Zusammensetzung - dabei der gesamten Laufbahn Steves. Etliche Wunschtitel der Veranstalter gaben den Rahmen vor und ansonsten wählte Steve einige Songs von seinen Projekten "Gutterball" (der Band mit u.a. Long Ryder Steve McCarthy), von dem er zum Beispiel "Think It Over" und "California" spielte und "Danny & Dusty" (dem Projekt mit Dan Stuart von Green On Red), das mit "Miracle Mile" vertreten war. Ebenso vertreten waren dann Songs der Miracle 3-Phase wie "My Midnight", "There Will Come A Day", "The Ambassador Of Soul", "Southern California Line", "Sustain" oder "Amphetamine" (letztere eigentlich bemerkenswert laut und rockig für Hauskonzerte), frühere Solo-Tracks wie "Carolyn" oder "Bonnie & Clyde" sowie ältere und neuere Dream Syndicate-Klassiker a la "Days Of Wine & Roses" (in Grevenbroich) oder "Boston" (in Mülheim). Mit "Glide" und "How Did I Find Myself Here" fanden sich sogar zwei Tracks von dem letzten, neuen Dream Syndicate-Album im Programm - die eigentlich ja gar nicht für einen Solo-Vortrag geeignet scheinen. Mit tätiger Mithilfe von Chris Cacavas am Wah Wah-Pedal und in Grevenbroich von Eric Van Loos groovendem, funky Kontrabass gestaltete Steve solche Stücke dann allerdings mit einem gewissen Funk-Soul-Touch um. Besonders der Titeltrack des "How Did I Find Myself Here"-Albums und "Miracle Mile" gerieten auf diese Weise (je nach Herkunft der Stücke) zu echten Queens-, LA- bzw. Texas-Soul-Klassikern mit "Shaft"-Touch (jedenfalls hörte sich das zuweilen an, wie der Soundtrack eines Blacksploitation-Filmes).

Selbstredend hatte Steve Wynn keine Mühe, die Fans im gegebenen Hardcore-Fanbase-Umfeld zu begeistern. Dennoch war es fast schon erstaunlich, dass diese sich bei Songs wie "Come A Day" dann freiwillig als Gospel-Chor andienten. Das in beiden Fällen auf der Setlist vermerkte "Merritville" musste dann zwar der fortgeschrittenen Zeit weichen - dennoch ließen Steve & Chris es sich nicht nehmen, jweils noch ein paar Zugaben aus dem Ärmel zu schütteln - in Grevenbroich natürlich unterstützt von Eric Van Loo und dem nochmals zugeschalteten Christian Weniger, mit dem zusammen dann spontan noch "All Along The Watchtower" und "The Last Time" (und dem Stones-Song) angestimmt wurde. Selbstredend blieb da am Ende in beiden Fällen kein Auge trocken und kaum ein Wunsch unerfüllt. Und so ganz en passant zeigte Steve Wynn, was man aus so einem eigentlich langweiligen Solo-Setting mit ein paar geeigneten Zutaten (und zugegebenermaßen auch Gästen) alles machen kann, wenn man sich nur ein wenig Mühe gibt.

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Surfempfehlung:
www.stevewynn.net
www.facebook.com/stevewynn
chris-cacavas.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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