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Kleine Bühne, große Songs

Christina Martin

Essen, Grend
23.02.2018

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Christina Martin
"Es war nie mein Ziel, nur als Duo aufzutreten", erzählt uns Christina Martin nach ihrem Auftritt in Essen. "Ich wollte immer schon in einer Rockband spielen." Anders als bei ihrem prima Gastspiel im Grend vor Jahresfrist, als ihr einziger Begleiter ihr Ehemann Dale Murray war, hat sich die sympathische Kanadierin deshalb dieses Mal eine "kick-ass rhythm section from Hamburg" als zusätzliche Verstärkung eingeladen. Denn obwohl Martin mit ihren Liedern auch auf Singer/Songwriter-Terrain punkten kann - ihre Vorbilder heißen nicht unbedingt Emmylou Harris oder Lucinda Williams, sondern eher Bruce Springsteen, Tom Petty, Stevie Nicks oder Tina Turner.
Wenngleich die in roten Samt gehüllten Tische, an denen das Publikum Platz nimmt, und die im Schein der Discokugel farbenfroh tanzenden Lichter einen Hauch von Nachtclub-Feeling in den Saal des Grend zaubern: Bei der Premiere der neuen Quartettbesetzung unterstreicht Martin, dass ihre Lieder - allen voran die Songs ihres in Kürze erscheinenden sechsten Albums, "Impossible To Hold", die im Programm den Löwenanteil ausmachen - eigentlich für deutlich größere Bühnen und Locations geschrieben worden sind.

Trotzdem gelingt es Martin, die intime Atmosphäre des kleinen Saals für sich zu nutzen. Nicht nur, weil sie mit ihrer ungekünstelten Art das Publikum spielend einfängt, sondern auch, weil sie mit viel Herzblut (und dieses Mal zumeist lieber auf Englisch als auf Deutsch) die Hintergründe der in ihren wohlüberlegten Texten erzählten Geschichten erläutert, ganz gleich, ob es in "Lungs Are Burning" unter dem Eindruck des Verlustes ihres eigenen Bruders um die wachsende Fentanyl-Drogenkrise in Kanada geht oder beim gemeinsam mit dem Seelenverwandten Matt Epp geschriebenen "Where The Dark Meets The Light" um die Höhen und Tiefen des Künstlerdaseins. Wenngleich Martin mit ihren Texten gerne die dunklen Ecken der menschlichen Existenz beleuchtet und dabei eine große Ernsthaftigkeit an den Tag legt, gibt es auch positive Momente, etwa beim lupenreinen Popsong "Always Reminding", der davon handelt, von wieviel Liebe sie umgebenen ist. In Essen ist ihr die Nummer übrigens ganz besonders wichtig, fallen doch an diesem Wochenende die Veröffentlichung des Stücks als Single und ihr siebter Hochzeitstag mit Murray zusammen.

Doch auch wenn ihr Faible für geschmeidig-zeitgemäßen Rock/Pop mit ausladenden Refrains bei Songs wie dem Titelstück ihrer neuen LP immer wieder aufblitzt, steht sie mit einem Bein doch auch weiterhin im Americana-Lager: "Puppet Museum" atmet gerade zu Anfang den Geist von Neil Young, während "Things You Can't Tell By Looking Her Way" dezent in Richtung der Byrds deutet. Mit der feinen Coverversion von "Room At The Top" zieht sie bei der Zugabe ihres 100-Minuten-Auftritts zudem den Hut vor Tom Petty. Dass sie all das musikalische Beiwerk eigentlich gar nicht braucht, beweist sie derweil zur Mitte der Show, als Bassist Phillip Herbst und Drummer Jannis Reiher die Bühne für einige Songs verlassen. Obwohl sie wenige Tage zuvor einen Auftritt in Amsterdam krankheitsbedingt absagen musste, legt sie, nur begleitet von Murrays Gitarre und Harmoniegesang, bei "Winter" und "Lay You Down" dennoch ihre volle Leidenschaft in die Gesangsperformance und beschenkt so ihr entzücktes Publikum mit seelenvollen Gänsehautmomenten.

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Surfempfehlung:
www.christinamartin.net
facebook.com/ChristinaMartinMusic
Text: -Carsten Wohlfeld-
Foto: -Carsten Wohlfeld-


 
 

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