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Hits, so gar nicht shitty

Katie von Schleicher

Düsseldorf, Kassette
28.10.2017
Katie Von Schleicher
Katie Von Schleicher ist der Traum jedes Musikjournalisten. Während sich die meisten Künstler mit Händen und Füßen wehren, ihre Musik bestimmten Genres zuzuordnen oder ihr Etiketten zu verpassen, liefert die aus Pasadena, Maryland, stammende, aber nun in Brooklyn lebende und arbeitende Singer/Songwriterin mit ihren Albumtiteln die passenden Schubladen gleich mit. Ihre erste Mini-LP nannte sie "Bleaksploitation", ihr vor wenigen Monaten erschienenes, an dieser Stelle zur Platte der Woche gekürtes Full-Length-Debüt betitelte sie "Shitty Hits". Nachdem Von Schleicher im Mai als Vorprogramm von Aldous Harding bereits erstmals auf deutschen Bühnen zu sehen war, gastierte sie nun an einem Off-Day ihrer laufenden Support-Tournee für Big Thief als Headlinerin in der Düsseldorfer Kassette. Im April und Mai 2018 wird sie dann für weitere Auftritte in unsere Breiten zurückkehrt.
Katie Von Schleicher
Auf ihrem neuen Album schlägt Katie Von Schleicher den Bogen von sonnendurchfluteten Songs mit 70s-Radio-Pop-Flair und unwiderstehlichen "La, la, la"-Refrains zu sinister knisternden, bisweilen betont experimentellen Nummern mit Girl-Group-Gloom und dramatischen Zeitlupen-Beats, wenn sie zwischen Indierock und Klavierpop ganz eigene Wege geht und dabei klingt, als coverten Portishead die Beatles. Im heimeligen Ambiente der Kassette vor einem auf dem Holzfußboden und auf den altmodischen Oma-Sofas sitzenden Publikum dagegen reicht der Dame mit der beeindruckenden Altstimme das kleine Besteck, um zu faszinieren. Gemeinsam mit ihrem Sidekick Adam Brisbin präsentiert Von Schleicher ihre Songs in Düsseldorf im zurückgenommen Indie-Folk-Gewand, "weil es gar nicht so leicht ist, zu zweit richtig zu rocken", und stellt so die nicht zuletzt von reichlich Therapieerfahrung geprägten Texte stärker in den Vordergrund als den allumfassenden Sound der LP zwischen "bezirzender Intimität und unbedingter Exzessbereitschaft", wie es die Kollegen der Spex so treffend umschrieben. Doch auch wenn die beiden Musiker sichtbar müde und vom Tourleben mitgenommen sind, klingen die Lieder auch in Duo-Besetzung mit zwei Stromgitarren und/oder Handtaschen-Keyboards nie unvollständig, sondern geizen selbst hier nicht mit 60s-infiziertem Ohrwurm-Flair: Offenbar sind Von Schleichers Hits gar nicht so shitty, wie uns der Albumtitel glauben machen will!
Katie Von Schleicher
Gleichzeitig ist sich die Amerikanerin aber auch der Tatsache bewusst, dass ihre alles andere als fröhlichen Texte ein aufmerksam lauschendes Publikum wie das in der Kassette ziemlich runterziehen können. Obwohl sie sich selbst als introvertiert bezeichnet, bricht sie deshalb die ernsthafte, emotionsgeladene Performance immer wieder mit einem breiten Grinsen und augenzwinkernden Ansagen und Aktionen zwischen den Liedern auf, etwa, als sie Deutschland als das Land bezeichnet, in dem man ihren Namen flüssiger aussprechen kann als sie selbst, oder als sie kurz vor Ende per Münzwurf entscheidet, welches Lied als Nächstes gespielt wird. Ihre Geografiekenntnisse - sie wähnte sich in Düsseldorf in einer Kleinstadt... - sind sicherlich noch ausbaufähig, musikalisch dagegen macht Katie Von Schleicher an diesem Abend alles richtig.
Surfempfehlung:
facebook.com/KatieVonSchleicher
katievonschleicher.bandcamp.com
Text: -Carsten Wohlfeld-
Fotos: -Carsten Wohlfeld-

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Mehr über Katie von Schleicher:
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