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Nordlichter

Anna Of The North
Komplement

Köln, Yuca Club
19.10.2017

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Anna Of The North
Es kommt ja selten genug vor, dass ein lokaler Support Act und der internationale Headliner auch musikalisch zusammenpassen. In dem Fall war das aber so: Sowohl das Kölner Duo Komplement, wie auch Headlinerin Anna Of The North dürfen sich - in einem weitergefassten Sinne - dem E-Pop-Genre zurechnen lassen. Das Spannende war bei dieser Show dann die unterschiedlichen Arbeitsweisen, die beide Acts anwendeten.
Die beiden jungen Herren aus Köln, die sich De Rien und Head Under Water nennen, verfolgen einen puristischen Ansatz, der darin besteht, ihre deutlich R'n'B-infizierten Songs alleine mit zwei Keyboard-Türmen und der Zuhilfenahme diverser Computergeräte zu performen. Das ist dann die Art, in der man Musik wie diese besser nicht darbieten sollte, denn zum einen wirkt das - aufgrund der stationären Keyboard-Abhängigkeit - natürlich ziemlich autistisch (zumal die Jungs gerne mit geschlossenen Augen singen) und zum zweiten wird so dem Klischee, dass elektronisch erzeugte Musik gerne schnell steril wirken kann, natürlich unnötig Vortrieb geleistet. Die Stücke selbst sind innerhalb des Genres sicherlich ganz okay konstruiert - allerdings fehlt irgendeine Art von erkennbarer Vision, die das Ganze über ordentlich zusammengesetzte Genre-Klischees hinaushöbe. Alleine mit dem gekonnt inszenierten Falsett-Gesang gelang es Komplement leider nicht, eine wirklich eigene Note in den Ring zu werfen.
Wie man so etwas besser machen kann, zeigten dann Anna Lotterud und ihre beiden Mitstreiter. Eigentlich ist das Projekt Anna Of The North ja ein Duo, das aus der Norwegerin Anna Lotterud und dem Neuseeländer Brady Daniell-Smith besteht. Klugerweise hatte man sich für die Tour nun allerdings um einen emsigen Perkussionisten verstärkt, denn Anna selbst bedient keine Instrumente, sondern konzentriert sich alleine auf die vokale Performance. Brady hatte zwar auch ein paar Keyboards vor sich stehen, griff allerdings auch zuweilen zur Gitarre. Tatsächlich überraschte das Duo dann bei einer nicht geplanten, herausgeklatschten Zugabe dann mit einer Stripped-Down-Version eines bereits zuvor gespielten Tracks - alleine mit Vocals und Gitarre.

Auch verzichten Anna Of The North auf R'n'B- oder HipHop-Elemente, sondern bleiben ihrer Art des - trotz aller elektronischen Bestandteile - organisch anmutenden Trip Hop Dream Pop-Ansatzes treu. Trotzdem hätte die Sache leicht ins Klinische abdriften können - wäre da nicht Anna selbst gewesen, die umgehend die Initiative ergriff, nachdem sie - nach einem kleinen, melodramatischen Intro zu ihrem Song "Oslo" - die Bühne betreten hatte. Es dauerte keine 30 Sekunden, da stellte sie den Mikro-Ständer in die Ecke und griff sich das Publikum, das sie dann mit ihrer expressiven Bühnenshow, dramatischen Gesten, selbstverliebten Dance-Mooves und direktem Augenkontakt sogleich in ihren Bann zog - und diesen im Folgenden auch keine Sekunde lockerte. Dankenswerterweise verzichtete sie aber dann darauf, etwa das Publikum auch noch zum Mitmachen zu animieren. Erstens war dies nicht nötig und dann wäre es vielleicht sogar zuviel des Guten gewesen, denn Anna strahlte schon eine gewisse manische Intensität bei ihrem Tun aus. Insbesondere das Fixieren oder das Deuten von/auf einzelne Personen wirkte da schon leicht beängstigend - insbesondere dann, wenn da - wie etwa in dem Song "Dreamers" - Textzeilen wie "It's not about you anymore" wie Mantras ins Auditorium gedrückt werden. Nicht, dass ihr das jemand übel nahm - aber ziemlich intensiv war das dann schon. Dabei blieb sich Anna aber insofern durchaus treu, als dass sie die musikalische Autotherapie, die sie in Songs wie "Sway", "Fire" oder "Lovers" kurz und knapp auf den Punkt bringt, auf der Bühne mit den Mitteln des Ausdruckstanzes lediglich auf ein anderes Level hievte.

Der einzige Kritikpunkt, der am Ende vielleicht übrig bliebe, war der, dass Anna Of The North die Chance echte Live-Versionen aus den Tracks herauszukitzeln nicht wirklich nutzten, sondern relativ eng am Songformat der Studio-Versionen blieben. Andererseits gab es dafür dann aber auch die ganzen Single-Titel, die den Weg auf die LP "Lovers" dann eben nicht gefunden hatten. So oder so überzeugte zumindest Anna Lotterud selbst mit einer betont souveränen und ausdrucksstarken Performance.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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